23.
Jul
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Kategorie: Augmented Reality

Augmented Reality im Vertrieb

Gastbeitrag von Mark Weisbrod:

Zuerst war Augmented Reality der große Hype, dann kam der Punkt an dem die Technologie von vielen als „Marketing-Gimmick“ abgestempelt wurde, und heute sind wir soweit, dass AR immer weiter in die komplexen Prozesse von Unternehmen aus den verschiedensten Branchen eindringt.

Verabschieden wir uns von dem Gedanken, dass Augmented Reality eine eigenständige Technologie ist, welche zum Selbstzweck eingesetzt wird. AR ist eine Technologie zur Visualisierung und erleichtert dem Menschen die Aufnahme von Informationen und das Verstehen von Sachverhalten. Die Begeisterung, die nahezu alle Personen beim ersten Kontakt mit einer Augmented Reality Applikation empfinden, eignet sich selbstverständlich hervorragend für die Vermarktung von Produkten. Genau auf diesen WOW-Effekt konzentrierte sich auch die erste und zweite Generation von AR-Apps.

Mehr und mehr muss nun aber das volle Potential der Technologie ausgeschöpft werden. Hierzu reicht es nicht mehr ein 3D-Modell eines beliebigen Produkts auf eine Broschüre oder in einem Magazin zu augmentieren. So wie uns einst im Biologieunterricht Modelle des Körpers erleichtert haben seine Funktionsweise zu verstehen, so kann Augmented Reality alle verfügbaren Informationen zu einem Gegenstand transportieren, in einer Art und Weise, in der die Informationsaufnahme eher einem Spiel als einer Aufgabe gleicht.

Wie hilft das dem Vertrieb?

Egal ob Sportschuh oder industrielles Bauteil, heutzutage sind nahezu alle Produkte komplex und erklärungsbedürftig. Zudem stehen sie wie zum Beispiel in der Automobilindustrie in einer Vielzahl von Varianten zur Verfügung.

1. Reduktion der Zeit zur Informationsbeschaffung

Die Zeit, die der Anwender benötigt, um die gewünschten Informationen zu erhalten – Time-to-Content – kann mit einer AR-Anwendung minimiert werden. So werden dem potentiellen Käufer relevante Informationen schnell und aufbereitet zur Verfügung gestellt. Je komplexer das Produkt ist, desto größer ist hier der Mehrwert des Einsatzes von Augmented Reality.

2. Kombination von haptischem und digitalem Erlebnis

Anders als bei der reinen Betrachtung eines Produkts oder der zugehörigen Broschüre ist das Erleben eines Produkts mittels AR von Interaktionen geprägt. Dabei werden verschiedene Sinne des Betrachters angesprochen, was zu einem besonders nachhaltigen Kommunikationserlebnis führt.

3. Das komplette Portfolio vor Ort

Vor allem dort wo Platzmangel besteht, wie auf Fachmessen (unteres Bild), oder Produkte nicht physisch präsentiert werden können, wie z.B. Handelsreisen (oberes Bild), ist Augmented Reality die Technologie, welche es dem Vertrieb ermöglicht, das gesamte Produktportfolio des Unternehmens immer dabei zu haben. Unternehmen wie SAG und Wittenstein setzen AR erfolgreich zu diesem Zweck ein.

RE´FLEKT AR SAG

RE´FLEKT AR Wittenstein

4. Der Erklärungsprozess wird automatisiert

Viele Erklärungsprozesse, für die bisher der persönliche Kontakt zu einem Vertriebsmitarbeiter notwendig war, können heute per AR automatisiert oder zumindest unterstützt werden. Dies wird unter anderem durch die immer weiter fortgeschrittene Trackingtechnologie ermöglicht, welche es zumindest in statischen Szenarien ermöglicht, nahezu jedes Objekt zu erkennen und mit Zusatzinformationen jeglicher Art zu erweitern.

RE´FLEKT AR Grafik

5. Produktvisualisierung mit Mehrwert

In vielen Bereichen ist es für den potentiellen Kunden interessant zu sehen, wie sich ein Produkt in sein Lebensumfeld einpasst. Diese Applikationen sollen aber nicht nur den Komfort für den Kunden erhöhen, vielmehr stehen dahinter mittlerweile harte Zahlen, welche den Erfolg des Einsatzes von Augmented Reality im Vertrieb demonstrieren. Mitsubishi Electric, Cooling & Heating setzt ein solches Produktvisualisierungstool erfolgreich ein und erwartet sich hiervon ein Umsatzwachstum von nicht weniger als 30 Millionen Dollar und einen einstelligen Millionenbetrag an Einsparungen bei den Druckkosten.

6. Shopping everywhere

Die Möglichkeit ein Plakat oder eine Anzeige in einer Zeitschrift per Smartphone zu erkennen und das präsentierte Produkt mit nur einem Klick zu kaufen, stellt für Händler einen komplett neuen, von Impulskäufen getriebenen Vertriebskanal dar. Hinzu kommt, dass sich derartige Szenarien mit vergleichbar wenig Aufwand umsetzen lassen. Umgesetzt wurde dies z.B. vom COVER-Magazin, welches neben den in Magazinen bekannten Erweiterungen durch Videos, animierte 3D Modelle und Bilder eben genau diese Möglichkeit, ein vorgestelltes Kleidungsstück direkt mit dem Smartphone zu kaufen, bietet.

7. Heute die Produkte von morgen verkaufen

In vielen Branchen, wie der Immobilienbranche, ist es üblich individuelle Produkte zu verkaufen, lange bevor diese fertiggestellt wurden. Die Komplexität z.B. eines Immobilienprojekts macht den Entscheidungsprozess kompliziert. Augmented Reality eignet sich hervorragend, um genau hier für Abhilfe zu sorgen. Das Produkt kann als 3D-Modell in Verkaufsunterlagen eingebunden und um Erklärungsvideos erweitert werden. Zudem können sämtliche technischen Features des Produkts ansprechend und leichtverständlich erklärt werden.

Fazit

Neben den vielen Augmented Reality Marketing-Apps entstehen im Hintergrund immer mehr Vertriebslösungen. Teils weniger spektakulär als ihre Pendants, aber hocheffizient und technologisch anspruchsvoll leisten sie weit mehr als Kunden nur zu begeistern. Mehr und mehr Unternehmen setzen nun Augmented Reality ganz gezielt ein, um Vertriebsprozesse zu unterstützen. Die Erfolge die bereits erzielt wurden sprechen für sich.

Vielleicht lasst auch ihr euch demnächst von einer Augmented-Reeality-App ein Produkt erklären.

Mark

Weiterführende Links

Buchtipp: Augmented Reality – Anett Mehler-Bicher, Michael Reiß, Lothar Steiger

Bildquellen
RE´FLEKT GmbH


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