29.
Okt
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Kategorie: Augmented Reality

Fünf Anwendungsfelder für Augmented Reality in Automotive

Wer nach Anwendungen für Augmented Reality sucht, findet diese häufig in Marketing und Vertrieb. In den vergangenen Monaten rückte der Automobilssektor mit seinen vielen Facetten – zusammengefasst unter dem Begriff Automotive – stärker in den Fokus von AR. Hat die Automobilindustrie neuerdings Augmented Reality entdeckt? Ganz im Gegenteil: AR gibt es im Automotive-Bereich schon seit vielen Jahren.

Die heiligen Hallen geben Einblicke in Augmented Reality

Während Marketing und Kommunikation ihre Anwendungen veröffentlichen und sie zur Markenkommunikation nutzen, bleiben spannende und innovative Anwendungen in der Automobilindustrie vielfach „unter Verschluß“. Die Autobauer und ihre Zulieferer wollen sich ihren Entwicklungsvorsprung nicht nehmen lassen. Mittlerweile öffnen sich die AR-Schatztruhen der Hersteller und bringen die Mehrwerte von AR ans Licht. Der starke technologische Background und ausreichend Mittel zur Umsetzung bieten auch anderen Branchen die Gelegenheit, den Nutzen von AR zu erkennen. Wie in anderen Bereichen – Plattform-Technologie, modulare Bauweise – hat die Automobilindustrie auch bei Augmented Reality eine Vorreiterrolle. Und das nicht nur in der Produktion, sondern auch bei Produktpräsentationen, wie das folgende Beispiel zeigt.

Was lässt sich mit AR machen?

Die Produktion ist prädestiniert für Technologien wie Augmented oder Virtual Reality. An den Bändern ist viel automatisiert und wo Menschenhand eingreift ist die den Umgang mit der Technik gewohnt. Der Engineering-Prozeß, von der Forschung bis zum Design, hat eine ebenso große Spielwiese. Daneben zeigt sich AR auch im Service, wenn es um Wartung und Reparatur geht und im Training für die Mitarbeiter. Die Markenkommunikation und der Vertrieb am Point-of-Sale oder auf Messen profitieren genauso von der visuellen Kommunikation wie die Erweiterung der vielfältigen Print-Broschüren, die beim potenziellen Käufer Emotionen schaffen sollen. Aus allen Bereichen zeigen wir Beispiele für AR in den diversen Automotive-Disziplinen.

Engineering

Der Bereich Engineering beinhaltet den Prozeß vom Entwurf, Modellerstellung, Materialauswahl bis hin zum Design und letztendlich der Produktion. Augmented Reality bietet die Möglichkeit verschiedene Formen, Designs, Farben und andere veränderbare Punkte darzustellen, ohne dass jeweils ein neues Modell angefertigt werden muss. Ingenieure erhalten ein Tool zur Visualisierung ihrer Entwicklungen. Wie das folgende Beispiel von Mercedes Benz zeigt, kann ein real nicht vorhandener Motor virtuell in das vorhandene Chassis eingepasst werden. Damit können die Entwickler beispielsweise simulieren, ob das geplante Aggregat mit seinen Anbauteilen in den Motorraum passt.

Engineering AR

Production

Einblicke in die Produktion bekommt, wer eine Führung macht. Hier werden Produktionsschritte gezeigt, die allgemein zugänglich sind. Die Entwicklung und Produktionsvorbereitung für neue Fahrzeuge bleibt verständlicherweise verschlossen. Aus der Industrieproduktion der Firma Kolbus können wir einen Blick auf den Einsatz von Augmented Reality werfen. Dieses Pilotprojekt demonstriert die AR-Unterstützung in der manuellen Fertigung. Millimetergenau positionierte Einblendungen zeigen dem Mitarbeiter die nächsten Arbeitsschritte und vermeiden fehlerhafte Platzierungen und damit unnötigen Ausschuss.

Neben der eigentlichen Produktion unterstützt Augmented Reality auch die Produktions- und Anlagenplanung in der Automobilindustrie. Maschinen lassen sich lagegerecht in die reale Umgebung einblenden; Materalflüsse lassen sich simulieren. Der Laser-Hersteller und Automobil-Zulieferer Trumpf nutzt AR, um eine ressourcenschonende Anlagenplanung und effiziente Prozesse zu erreichen (Abbildung unten).

Trumpf AR Loadmaster von RE´FLEKT

Service & Maintenance

Heutige Fahrzeuge und ihre Technik sind äußerst komplex. Mitarbeiter benötigen neben technischem Know-how eine Menge an Informationen für die verschiedenen Arbeitsschritte. AR kann helfen, die einzelnen Steps in eine interaktive Anleitung zu verwandeln, um so dem Mitarbeiter die volle Konzentration auf den eigentlichen Arbeitsschritt zu ermöglichen. Dadurch hat der Mitarbeiter jederzeit und am entsprechenden Ort alle wichtigen Infos parat und muss nicht erst in Manuals und Handbüchern suchen und lesen. Volkswagen hat für sein Konzept-Fahrzeug XL1 eine interaktive Reparaturanleitung entwickelt, die in der folgenden Abbildung dargestellt wird.

VW MARTA

Training

Training umfasst einerseits die Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter beim Unternehmen selbst. Neue Mitarbeiter können auf visuelle Weise schneller und mit größerer Aufmerksamkeit geschult werden; die Zeiten für Einlern-Maßnahmen verkürzen sich aufgrund der interaktiven Methoden mit AR. Auf der anderen Seite umfasst das Training auch die einfache und intuitive Bedienungsanleitung für den Autobesitzer und Fahrer. Wer will schon lange in der Bedienungsanleitung suchen, um Fehler oder Funktionen seines Autos zu identifizieren. Auch hier schafft Augmented Reality eine schnelle Informationsaufnahme mit einer verständlichen und animierten Bild-Erklärung. Das folgende BMW-Video ist zwar bereits von 2007, zeigt dafür sehr anschaulich die Vorteile der Visualisierung im Bereich der Mitarbeiterschulung. Die mittlerweile verfügbare Technik und insbesondere die Entwicklung bei Datenbrillen (u.a. Google Glass, Vuzix) wird den Schulungsbereich in ein neues Zeitalter führen.

Brand Communication & Distribution

In der Markenkommunikation bietet sich gerade den Automobilherstellern ein großes Spielfeld. AR schafft Emotionen und versetzt Kunden in interaktive Erlebniswelten. Interaktiv? Der Kunde wird eingebunden, er macht mit. In einer Konfigurator-App beispielsweise (siehe Video RF Playroom) können verschiedene Aktionen vom Benutzer ausgewählt werden. Dies sorgt für größere Aufmerksamkeit und längere Verweildauer. Daneben bietet Projective-AR faszinierende Möglichkeiten für das Branding.

Die Möglichkeiten mit AR reichen von der Erweiterung gedruckter Broschüren bis zu Produkt-Vorführungen auf Messen und Entwicklung ganzer virtueller Autowelten, die erkundet werden können. Das Beispiel von Toyota zeigt, wie sich die interaktive Präsentation auf die Messebesucher auswirkt. Begeisterung und Faszination sorgen für ein Erlebnis auf dem Messestand.

 

Ausblick

Die Hersteller testen viel mit AR. Beispielsweise Toyotas „Window to the World“, das den Mitfahrenden Informationen ins Fenster einblendet. Auch die Verbindung von Augmented und Virtual Reality nimmt an Fahrt auf. Dazu mehr im nächsten Post. Wer noch mehr Videos sehen will findet weitere AR-Beispiele auf AR4Automotive.

Dies sind nur einige Beispiele aus der Automotive-Welt. Wie eingangs erwähnt, gelangen viele Projekte nicht in die Öffentlichkeit. In einem der nächsten Posts stellen wir das AR-Navigationssystem von Mercedes Benz vor. Dazu gibt es ein Interview mit Dr. Marc Necker von der Daimler AG.

Macht’s gut bis zum nächsten Post,

Dirk Schart

 

Weiterführende Links

AR4Automotive – Videos zu Augmented Reality in Automotive

Auto Bild – MARTA AR-Programm von Volkswagen

Hyperraum TV – Augmented Reality in der Industrie

Bildquellen

VW MARTA

Mercedes Benz Blog

RE’FLEKT GmbH

Golem


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