26.
Jun
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Kategorie: Allgemein

Die Leiden des QR-Code – Drei Tips zur Wiederbelebung

Veraltet, hässlich, Einbahnstrasse – das ist nur eine Auswahl an Beschreibungen für den QR-Code. Der kleine, schwarze Marker muss einiges über sich ergehen lassen. Da stellt sich doch die Frage, ob das alles berechtigt ist. Im Folgenden kurzen Überblick möchte ich ein paar Ansichten darstellen und Beispiele zeigen, was man mit dem QR-Code alles machen kann. Über An- und Aussichten darf gerne diskutiert werden. Gehört das zu Augmented Reality oder ist der QR-Code etwas anderes?

Wir sind es gewohnt in Kategorien zu denken und in solch eine muss der Code jetzt auch rein. Oder nicht? Vielleicht kann man die einzelnen Kommunikations- und Marketinginstrumente einfach zielgerichtet verwenden und am besten miteinander verknüpfen. Dann kann jedes dieser Instrumente seine Möglichkeiten entfalten. Verabschieden müssen wir uns dabei von Einteilungen in Bereiche und Disziplinen. Das war gestern.

1. Der QR-Code ist veraltet und bringt nichts

Das hört man oft. QR-Codes werden in schön gestaltete und professionell umgesetzte Printprodukte eingebunden und die Unternehmen beschweren sich darüber, dass kaum jemand den Code abgerufen hat. Und das obwohl das Marketingteam im Unternehmen so stolz war, dass sie eine derart fortschrittliche Technologie nutzen und damit schon kurz vor der Nominierung zum „innovativsten Medienkonzept“ standen. Und die Agentur hat dies als Meilenstein in der crossmedialen Kommunikation mit Digitalmedien angepriesen – gigantische Conversion Rates inklusive. Was ist passiert? Der QR-Code ist neumodischer Mist und die Kunden sind zu einfältig, um das Ding zu scannen. Man verzeihe mir an dieser Stelle meine überspitzten Formulierungen.

Was meistens nichts bringt, ist wie Agenturen und Unternehmen den Code einsetzen. Wer den QR-Code einfach neben einen Text in eine Imagebroschüre druckt, darf nicht davon ausgehen, dass dies funktioniert. Wer hat denn wirklich schon mal beobachtet, dass am Bahnhof oder Flughafen jemand den Code an einem dieser vielen Plakate mit dem Smartphone einliest? Warum macht das kaum einer?

Wenn ich am Bahnhof stehe und auf den Fahrplan schaue, dann steige ich nicht in irgendeinen Zug, von dem ich nicht weiß wo er hinfährt. So ist es beim Code auch. In den meisten Fällen gibt es keinen Hinweis, was sich mit dem QR-Code verbindet. Keine besondere Aktion, kein Nutzen, kein Mehrwert. Wer dann doch sein Smartphone nimmt und die passende App ans Plakat hält, wird vielfach enttäuscht mit der Weiterleitung auf die Unternehmenswebsite – natürlich nicht optimiert für mobile Geräte. Eigens gestaltete Landing Pages sind häufig Fehlanzeige.

Der QR-Code lässt sich mit seinen Möglichkeiten nutzen und ist eine einfache und mittlerweile viel genutzte Verlinkung. Steven Schüller, Online Marketing Manager der Schweizer Airline SkyWork, verweist auf den hohen Wiedererkennungswert; insbesondere bei Menschen, die nicht technik-affin sind. „Der QR-Code ist das einfachste Mittel, um Offline- und Onlinewelten miteinander zu verknüpfen“, so Schüller. Der Einstieg quasi, in eine erweiterte Medienwelt. So lässt sich der QR-Code neben der Verlinkung z.B. auch als personalisierter Datenspeicher für verschiedene Anwendungen nutzen. Damit entstehen völlig neue Einsatzfelder. Hierzu gibt es demnächst einen Post auf unserem Augmented-Reality-Blog „We Are AR“.

Die Fortsetzung dazu heisst Augmented Reality. Wichtig bei beidem – QR-Code und AR – sind Erklärungen zur Anwendung und zu den erweiterten Inhalten und Funktionen. Eine typische Printbroschüre, in diesem Fall aus der Immobilienbranche, zeigt eine sinnvolle Umsetzung. „Beim Einsatz von QR-Codes muss klar sein, was damit erreicht werden soll“, sagt Thomas Koschwitz, Geschäftsführer der für die grafische Umsetzung verantwortlichen Kreativagentur Thomas und ergänzt: „Es ist unsere Aufgabe dem Kunden die Möglichkeiten zu zeigen, aber auch darauf hinzuweisen, dass dies lediglich ein Teil des ganzen Konzeptes ist“.

Expose RE´FLEKT Immobilien AR HHI

2. Der QR-Code ist hässlich und passt nicht ins Corporate Design

Schwarz-Weiß scheint wirklich alt zu wirken und hat auch wenig Esprit. Was den QR-Code aber auszeichnet ist der bereits genannte, hohe Wiedererkennungswert. Während bei AR viele mit den Schultern zucken, haben sie aber meist schon einen QR-Code gesehen. Und wer Kreativität und Ideen mitbringt, kann den Code ordentlich tunen. Jan Heitger, Interactive Media Specialist bei RE´FLEKT, sieht eine große Bandbreit an Möglichkeiten zur Veränderung, ohne dass dabei die Lesbarkeit beeinträchtigt wird. So kann der Code farblich ans eigene Corporate Design und Layout der Medien angepasst werden. Einige Beispiele dazu gibt es auf der Website von Set Japan (http://www.setjapan.com/portfolio_category/qrcodes/).

„Während diese Methoden nur die Fehlertoleranz ausnutzen, wird beim nächsten Verfahren versucht die Codierung des QR-Codes auszunutzen, um das Bild darin unterzubringen, ohne den codierten Inhalt zu gefährden“, erklärt Jan Heitger. Wie das aussieht zeigt der mit Foto gestaltete QR-Code, der tatsächlich funktioniert und zur Website von RE´FLEKT führt. Und falls sich jetzt jemand an meine Zeilen von weiter oben erinnert und anmerkt, dass die Codes ja auch nur zur Website führen. Das stimmt. Hierbei stehen auch die Veränderungen und Möglichkeiten der Codes im Vordergrund und nicht die Landing Page selbst.

RE´FLEKT Patrick Guttner QR Code AR

Die Frage, mit welchen Bildern es am besten gehe, beantwortet der Experte für AR und interaktive Medien mit: „Quadratische, niedrig auflösende Schwarz-Weiß-Bilder funktionieren am besten“. Am Beispiel-Code sieht man, wie viel von einem Portraitfoto sichtbar bleibt ohne die Funktion zu beeinträchtigen. Wer das gerne mal selbst ausprobieren möchte kann auf der folgenden Seite seine QR-Codes erstellen (http://research.swtch.com/qr/draw).

3. Der QR-Code und seine Freunde

Wem das nicht reicht, der findet weitere Beispiele interessanter Codes. Wie die Microsoft Tags, die eine höhere Auflösung haben und Farbinformationen nutzen. Der Tag auf der linken Seite zeigt eine Standardvariante. Rechts daneben eine individualisierte Variante.

Microsoft Tags Standard Custom

Die Tags sind stärker individualisierbar als der QR-Code, brauchen dafür allerdings einen besonderen Reader und muss online sein, um die hinterlegten Informationen abrufen zu können. Der „normale“ QR-Code-Reader kann die Tags nicht lesen, da sie lediglich einen Identifier für die Inhalte auf den Microsoft-Servern darstellen. Dafür stellt Microsoft eine Software zur Verfügung und hat eigens ein SDK. Zusätzlich gibt es zur Evaluierung Analyse-Tools – vergleichbar mit Google Analytics. Besonders interessant sind die Custom Marker, mit denen eigene Hintergründe verwendet werden können. Wie das aussieht zeigen die Beispiele auf der Microsoft-Seite: http://tag.microsoft.com/what-is-tag/custom-tags.aspx). Das folgende Video zeigt die vielfältigen Möglichkeiten der Microsoft Tags.

RE´FLEKT-Media-Experte Jan Heitger meint: “Mich hat gewundert, dass mir solche Marker bisher so wenig begegnet sind. Die Möglichkeiten, die sich einem dabei bieten sind sehr interessant“. An Möglichkeiten mangelt es also nicht. Schon eher daran, diese auch zielgerichtet und konzeptionell anzuwenden. Codes alleine machen noch keine Kampagne. Wer es versteht die Vorteile der einzelnen Medien und Technologien zu nutzen, bekommt auch die entsprechende Aufmerksamkeit. Denn die Kreativität sollte nicht nur beim Design des QR-Code beachtet werden, sondern insbesondere bei den verknüpften Inhalten und beim zielgerichteten Einsatz.

Der QR-Code ist also nicht tot – er leidet nur häufig unter seinen Anwendern. Und das schon seit fast 20 Jahren. Denn dieser kleine, schwarze Code wurde bereits 1994 von Denso Wave und in den Fabriken von Toyota entwickelt. Macht Euch Gedanken, wenn ihr das nächste Mal einen Code einsetzt und lasst Euren Inspirationen freien Lauf. Es lohnt sich.

Macht´s gut bis zum nächsten Post,

Dirk Schart

Weiterführende Links

Augmented Reality visualisiert Diagnose – Der QR-Code als personalisierter Datenspeicher

Quellen
www.re-flekt.com, www.ka-thomas.de, www.microsoft.com


  1. Sehr geehrter Herr Schart,

    vielen Dank für den Eintrag über QR-Codes. Leider bin ich am Ende des Artikels genauso schlau wie vorher. Erhofft hatte ich mir Ansätze wie Einbindung im Text oder der Grafik / des Bildes innerhalb der Anzeige, richtige Landingpages die dem ganzen einen Mehrwert geben und neue Techniken innerhalb des QR-Codes (zum Beispiel: verbesserte Link-Erstellungen / Link-Einstellungen oder zusätzliche Optionen die durch html5 Management des Links in Echtzeit auf dem Handy aufgerufen werden können und so weiter). Zwar zeigen Sie neue abgewandelte Formen des QR-Codes aber hierfür muss man neue Sachen installieren die man meistens in dem Augenblick in dem man den QR-Code sieht nicht parat hat.

    Wenn es neue Techniken gibt dann freue ich mich, wenn Sie diese nachträglich zum Artikel veröffentlichen würden ansonsten ist der QR-Code weiterhin das was oben beschrieben steht. Eine Einbahnstraße.

    • Dirk Schart

      Guten Morgen Herr Pahnke,
      es freut mich, dass der QR-Code auf Interesse stösst. Der Post sollte eine Übersicht über
      den Stand geben und auch etwas zur Nutzung anregen. Und wie von Ihnen erwähnt ein paar
      Alternativen zeigen – auch wenn es dazu anderer Software bedarf.

      Wir machen weitere Posts zum QR-Code. Dabei lassen wir auch mal die Entwickler sprechen,
      um Ansätze zu zeigen. Ich hoffe, das auch für Sie etwas dabei sein wird. Anregungen sind
      immer erwünscht. Da ist mehr drin als Einbahnstraße.

      Viele Grüße
      Dirk Schart

  2. Hallo Dirk,

    danke für den Artikel. QR-Codes mag ich persönlich sehr. Habe auch schon öfters von jungen leuten gesehen dass dieser genutzt wird. Vorall für Gewinnspiele oder ähnliche kurzweilige spielereien.
    Aber leider habe ich auch oft ressonanz erfahren dass unsere Kunden überrascht sind wie wenig das genutzt wird.
    Ich habe ein Lumia und benötige keine Extrasoftware andere Smartphones benötigen oft Extrasoftware was eine Einstieghürde für nicht technik Peronen darstellt.

    liebe Grüße Adrian

    • Dirk Schart

      Hallo Adrian,
      da hat das Lumia wirklich einen Vorteil. Alle anderen Smartphones brauchen einen QR-Reader.
      Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von QR-Umsetzungen, die entweder keinen Mehrwert bringen
      oder umständlich sind in der Bedienung. Und dadurch verlieren die Menschen oft den Spaß daran
      und nutzen den Code nicht mehr. Wir hoffen, dass sich das ändern wird.

      Viele Grüße,
      Dirk

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