01.
Aug
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Kategorie: Allgemein

Der unsichtbare Fahrer – Technologiekombination mit AR

Was bei Drohnen technologisch schon üblich ist, soll in den kommenden fünf bis zehn Jahren auch beim Auto Einzug halten: Die Fernsteuerung. Heute noch als unrealistisch wahrgenommen, wird an der Technischen Universität München (TUM) bereits der unsichtbare Fahrer praktiziert. In der vergangenen Woche hatte ich die Gelegenheit das Projekt Visio.M bei einer Live-Präsentation zu erleben. Vorwärts, rückwärts, langsam vortastend geht es in den Hütchenparcours. Schon nach wenigen Augenblicken fährt das Elektromobil souverän an den staunenden Interessierten und Studenten auf dem TUM-Areal vorbei.

Ein Projektmitarbeiter erklärt, dass das Mobil auch künftig ganz alleine fahren könne. Vor allem auf der Autobahn, wo es die Randmarkierungen für ein zuverlässiges Tracking gibt. Schwieriger sei es in der Stadt, weil dort sehr viel Unvorhergesehenes passiere, wie z.B. Kinder, die über die Straße rennen.

Was kommt jetzt?

Langsam fährt es zurück und parkt. Jetzt steigt der Fahrer ein. Endlich sollte man meinen – ein Mensch zur perfekten Steuerung. Falsch gedacht. Der junge Mann hat sich auf den Beifahrersitz gesetzt. Der hat Mut. Los geht’s mit sicheren Fahreindrücken und Gast an Bord. Ob der sich irgendwo krampfhaft festhält ist nicht zu erkennen. Er scheint großes Vertrauen zu haben.

Visio.M E-Mobil auf der Teststrecke

Operator´s Room

Und das darf er. Denn das Elektroauto der TUM-Wissenschaftler wird professionell gesteuert. Ein Operator sitzt an einem Fahrsimulator, ausgestattet mit großen Bildschirmen, Pedalen und Lenkrad. Die Gamer kennen das: Force-Feedback-Wheel. Dieses vermittelt dem unsichtbaren Fahrer durch Haltekräfte ein realistisches Fahrgefühl. Neben der Rundumsicht erhält der Operator über Dolby 5.1 sogar die Geräusche aus dem Innenraum des Fahrzeugs. Von unserem Beifahrer ist nichts zu hören.

Visio.M Operator

Die Technik

Das E-Mobil selbst ist mit sechs Kameras ausgestattet, die für die Bildübertragung sorgen. Die Steuerbefehle kommen über das schnelle LTE-Netz, das es hier in München gibt. Nein, das Auto fährt mit Edge nicht langsamer – nur falls diese Frage jetzt aufkommt. Sobald die Verbindung abreisst, wird das Fahrzeug automatisch zum Stehen gebracht. Schon bald steht der nächste Video-Codec H.265 zur Verfügung, der die Bilder auf 50% der jetzigen Größe komprimiert und somit auch die Übertragung einfacher macht.

Und damit sind wir dann auch bei den Gemeinsamkeiten mit Augmented Reality. Kameras zur Bildübertragung und die Notwendigkeit schneller Mobilfunknetze. Die Kameratechnik verbessert sich stetig. Anders ist dies bei den Netzen. LTE gibt es nur in den Großstädten, Edge ist noch immer viel zu häufig anzutreffen. Und dann kommen wie bei AR die juristischen Hürden. Vor allem beim Tracking im öffentlichen Raum wird es Diskussionen geben. Man erinnere sich nur an Google Street View.

Technologiekombination mit Augmented Reality

Einblendungen in die reale Straßensituation werden bereits heute in Navigationssystemen genutzt. Im Aviation-Bereich ist dies Standard. Das ferngesteuerte Mobil hat bereits vieles an Bord, was wir für AR nutzen können. Die Kameras, das Audiomodul und die Breitbandverbindung. Für den Operator könnten Einblendungen eine Unterstützung sein, ähnlich wie wir sie von den Rückfahrkameras kennen.

Ein Blick auf die künftige Verwendung des E-Mobils zeigt, dass vor allem Live-Einblendungen Sinn machen. Die Fernsteuerung soll künftig u.a. dafür dienen, dass unser ferngesteuertes Auto abends vom Operator zur Stromtankstelle gefahren wird, während wir Champions League schauen. Ebenfalls ist somit eine einfache Order zum Car Sharing möglich und das Auto muss nicht erst gesucht werden.

Der Operator steuert ohne Lenkrad

Wir denken noch etwas weiter. In den Bereichen Augmented Reality und Gaming ist die Gestensteuerung ein aktuelles Thema. Dies bedeutet, dass ich mit meinen Händen und Bewegungen die Technik steuern kann. Viele kennen das bereits von der Xbox, die mit der Kinect-Steuerung die Technik dazu liefert. Der Operator könnte also in Zukunft das E-Mobil mit seinen Händen steuern, ohne dass er etwas anfasst. Noch weiter gesponnen: Vielleicht wäre dies dann in ein paar Jahren auch von unterwegs aus möglich.

Fahrererkennung durch Facetracking

Nicht nur der Operator soll mit modernster Technologie ausgestattet sein. Auch für den Fahrer bieten sich Möglichkeiten. Wofür Schlüssel, manuelle Sitzeinstellungen, Ziele im Navigationsspeicher? Das Auto erkennt den Fahrer per Facetracking und ruft das entsprechende Profil ab. Sofort sind die eigenen Einstellungen, Navigationsziele, Telefonnummern und so weiter verfügbar.

Den Technikbegeisterten bringt das ein Lächeln auf die Lippen, den Kritikverliebten und Datenschützern eher weniger. Genau in diesem Bereich wird es künftig vieles zu klären geben. Auf alle Fälle zeigt es, welches Potenzial in der Kombination verschiedener Technologien steckt und welche Vereinfachungen im täglichen Leben uns das – als Privatperson oder Unternehmen – bringen kann.

Macht´s gut bis zum nächsten Post,

Dirk Schart

Weiterführende Links

Technische Universität München – Projekt Visio.M

Bildquelle
Eigene Bilder


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