03.
Jul
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Kategorie: Augmented Reality

HyperMondrian – Augmented Reality für die digitale Vernissage

Am Anfang stand der Aufruf zu einem künstlerischen Beitrag auf dem Monitor-Digital-Festival in Mexiko, einem der bekanntesten Events für digitale Kunst in Lateinamerika. Herausgekommen ist eine App, die Kunstwerke mit digitalen Elementen erlebbar macht: HyperMondrian. Der Name lässt bereits die Werke erahnen. Piet Mondrians Kompositionen inspirierten die Köpfe hinter dem Projekt, Diego und Melo Montoya aus Guadalajara in Mexiko – der eine Informatiker und Digital Artist, der andere Künstler und DJ.

HMondrian3

DIE IDEE HINTER HYPERMONDRIAN

„Was kann ich in 3D darstellen, das schon in der zweidimensionalen Form einen starken Ausdruck hat“, beschreibt Diego Montoya seine ersten Gedanken zur App. Denn die Idee, Kunst mit Augmented Reality zu erweitern ist eine Sache. Dabei auch künstlerisch zu „ticken“, und nicht nur blind Technologie einzusetzen, ist die andere. So schauten sich die beiden verschiedene Werke an bevor es „Klick“ machte. Diego war sofort angetan von Piet Mondrians Composition with Large Red, Yellow, Black, Gray and Blue: „Das Bild ging mir direkt in den Kopf. Die Kompositionen im Neoplastizismus bieten sehr viel Raum für Perspektiven“.

HMondrian - Composition with Large Red

Ist Kunst nicht Kunst genug? Insbesondere von einem Künstler wie Mondrian. Oder sind es gerade Mondrinas Werke, die sich mit dem digitalen Zeitalter verschmelzen lassen. Genau der Künstler, der neue Stile schuf, dient jetzt als Grundlage für interaktive Kunst.

Darin sehen Diego und Melo ihren Ansatz. Die Möglichkeit, Kunst neu zu entdecken und neue Aspekte vorhandener Werke zu beleuchten. Kunst wird heute nicht mehr nur von traditionell gesehenen Künstlern, wie Malern oder Bildhauern, geschaffen. Entwickler und Programmierer ermöglichen uns eine digitale Kunstwelt, die gerade junge Menschen – die Digital Natives – anspricht. „HyperMondrian soll auch ein Signal an Menschen sein, die heute Kunst studieren. Neue Kompositionen kreieren und mit den zukünftigen Elementen spielen“, sieht Diego als wichtige Botschaft an künftige Künstler.

PIETS WERKE MIT AUGMENTED REALITY

Piet Mondrian war ein Maler der klassischen Moderne, 1872 geboren in den Niederlanden, fand er später seine Heimat in New York. Er schuf die Stilrichtung des Neoplastizismus und gehörte mit seinen späteren Werken zu den Begründern der abstrakten Malerei.

HMondrian Victory Boogie-Woogie

Diego und Melo Montoya war es wichtig, das Leben und die Ideen von Piet Mondrian in die digitale Komposition einfließen zu lassen. Das Spiel mit Raum und Perspektive ist eine der Facetten von HyperMondrian. Besonders deutlich wird der hohe künstlerische Anspruch der Montoya-Brüder bei Victory Boogie-Woogie. Dieses Werk konnte Mondrian vor seinem Tod im Jahr 1944 nicht mehr vollenden.

Wer sein Smartphone oder Tablet mit der HyperMondrian-App auf die Komposition hält, der sieht wie die einzelnen Mosaiksteine aus dem Bild fallen. Die digitale Inszenierung erzählt die Geschichte zum Werk und der Kunst-Konsument befindet sich in Mondrians Welt. Composition with Large Red, Yellow, Black, Gray and Blue sowie Composition with Lines sind weitere Bilder, die von Diego und Melo in 3D-Welten versetzt wurden.

 

WIE FUNKTIONIERT HYPERMONDRIAN?

„Einfach  die App installieren und das Mobile Device auf die Bilder halten. Schon verwandelt HyperMondrian die zweidimensionalen Bilder in animierte Räume und Gegenstände“, sagt Diego Montoya und ergänzt: „Wichtig ist, dass der Anwender mit den Perspektiven spielen kann“. Die 3D-Modelle wurden von Melo Montoya mit der 3D-Software Maya erstellt und mit der Game-Engine Unity3D in Szene gesetzt. Als Tracking diente den Entwicklern die Software von Vuforia, die sich besonders gut für die Erkennung von geometrischen Formen eignet, wie sie bei Mondrian zu finden sind. Diego und Melo Montoya haben die App in Zusammenarbeit mit RE’FLEKT entwickelt.

Wesentlich für die einfache Nutzbarkeit war, dass die 3D-Szenen stabil dargestellt werden, wenn sich der Anwender bewegt bzw. das Mobilgerät dreht und neigt. Auch die Lichtverhältnisse am Ausstellungsort beeinflussen das Zusammenspiel von Originalbild und den dreidimensionalen Szenen. Auch die Zusammenarbeit der Brüder musste gut organisiert sein. Diego ist in München bei RE’FLEKT, Melo in der Heimat in Mexiko.

Am besten Ihr probiert es selbst aus und interagiert mit den Werken von Piet Mondrian. Die Links unter dem Beitrag enthalten das Booklet, das die App erklärt und die Bilder enthält. Die App „HMondrian“ gibt es für iOS und Android.

 

WEITERFÜHRENDE LINKS

AR[t] Magazine, Issue 5: HyperMondrian

HyperMondrian Booklet

iOS – HMondrian App

Android – HMondrian App

Bildquellen: Diego Montoya, Melo Montoya


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