02.
Jul
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Kategorie: Augmented Reality

Lernen Digital: Augmented Reality für Kids

Glänzende Augen verfolgen, wie sich die flinken Finger über den Bildschirm des iPads bewegen. Gerade noch hat ein Fingertip gereicht, um eine App zu öffnen. Jetzt wischen die Finger hin und her und greifen nach etwas. Sehr geheimnisvoll sieht das aus, was der kleine Nico mit seinen Händen macht. Das iPad jedenfalls scheint jede seiner Bewegungen zu verstehen.

Schauen, Hören, Drehen, Tasten und Drücken – so entdecken wir unsere Welt.

In der Erwachsenensprache sprechen wir von Seh-, Hör- und Tastsinn. Wir lernen also von Klein auf viel in visueller Form und wollen Dinge ausprobieren. Und später müssen wir dann Texte und Bücher lesen und in Schule und Uni Monologe überstehen. Warum bleiben wir nicht bei den interaktiven Elementen mit Erlebnisfaktor? Warum haben wir keine glänzenden Augen, wenn wir eine endlose Excel-Liste lesen müssen?

Visualisierung ist Trumpf

Die verfügbaren Visualisierungs-Möglichkeiten bewirken, dass Themen schneller erlernt werden können und gleichzeitig ein interaktives Erlebnis stattfindet. Das weckt den Spieltrieb, der in uns allen steckt.

Cars Augmented Reality Buch

Realisiert werden können derartige Visualisierungen mit Augmented Reality – kurz AR. AR kommt in immer mehr Bereichen zum Einsatz. Von der Industrie, über Architektur- und Immobilienwirtschaft, bis zu Kunst und Kultur, um nur einige Beispiele zu nennen. Damit können Daten, Objekte und Projekte gezeigt und erklärt werden. Vor allem die Erweiterung gedruckter Medien mit visuellen Inhalten erfährt große Begeisterung.

Kinder lernen heute anders

Wer sich die heutigen Generationen der Kids anschaut, wie sie iPad und Computer bedient kommt ins Staunen. Das sieht intuitiv und angeboren aus. Während wir bisher Bücher gewälzt haben, um das Trojanische Pferd zu verstehen, reicht jetzt ein Blick ins iPad. Mit der Visualisierung von Augmented Reality ist beides möglich – Buch und iPad. Das Buch als haptisches Produkt mit seinen raschelnden Seiten hat die Inhalte und fühlt sich angenehm an. AR erweckt das Buch zum Leben und lässt das Trojanische Pferd erscheinen. Wie viele Römer passten da rein und wie sah das innen aus? Die Finger drehen das Pferd in alle Richtungen und gewähren uns einen Blick ins Innere. Erste Bücher sind erhältlich, auch wenn die Umsetzungen die technologischen und insbesondere die didaktischen Möglichkeiten noch nicht ausschöpfen. Das Pixar-Movie „Cars“ beispielsweise kann als Buch mit erweiterten Inhalten genutzt werden.

Beispiele für digitales lernen mit Augmented Reality

Ein schönes Beispiel wie verschiedene Lerneffekte kombiniert werden können zeigt das Bastel-Kit „Light-Up“ der Stanford Graduate School of Education. Die Kids lernen etwas über Elektrizität, in dem sie eine Schaltung mit magnetischen LED-Bausteinen verknüpfen. Ist alles zusammengebaut können sie ihr Smartphone darüber halten und sehen, wie der Strom läuft. So soll Strom haptisch und interaktiv erklärt werden.

Augmented Reality Bastel Kit

 

Die Wirtschaftskammer Tirol hat für Messeauftritte ein interaktives Rätsel mit Wissensvermittlung über Berufe im Einsatz. Schüler müssen eine gewisse Anzahl von Berufen erraten, die alle für den Bau eines Hauses notwendig sind. Sind alle gefunden werden die Schüler mit einem 3D-Modell der Baukammer belohnt, das sie aus verschiedenen Perspektiven betrachten können. Spielerische und interaktive Elemente mit Faszination zu begeisternden Lernwelten kombiniert.

Wirtschaftskammer Tirol - Lernen mit Augmented Reality

Im nächsten Beispiel erweitert der kanadische Anbieter Fun Maps for Kids eine Weltkarte mit Augmented Reality und macht sie interessanter und erlebbarer. Das Video zeigt, dass die einfache Karte an der Wand viele Geschichten erzählen kann.

 

Was bedeutete das für die Lernpädagogik?

Eltern stellen sich die Frage, ob der Technikkonsum ihre Kinder nicht überfordert. Wie viel ist genug und wie lässt es sich eingrenzen? Die Welt der Medien und Technologie hat sich verändert und mit ihr auch das Interesse der Kids an Smartphones und Tablets. Besonders in einer Zeit, die von einer stetigen Zunahme an Medien geprägt ist und Kinder wie Erwachsene einer Informationsflut ausgesetzt sind, zeigen sich die Vorteile von Augmented Reality. Vieles kann visuell einfacher aufgenommen und mit größerer Begeisterung verstanden werden. Lernen wird zu einem Erlebnis und hat einen viel größeren Spaßfaktor mit all seinen interaktiven Formen. Natürlich ersetzt das nicht die Realität und den Bolzplatz. Denn Kicken lernt man nicht im Wohnzimmer. Wer aber z.B. mehr über historische Geschehnisse und Bauten lernen möchte, kann dies nicht vor der Haustür und dafür hilft die Visualisierung.

Unsere Bildungssysteme sind noch nicht vorbereitet auf diese neue Art des Lernens. Die Kombination der verfügbaren Technologie mit didaktischen Konzepten zur Darstellung neuer Lernwelten, stellt die Bildungsträger vor neue Herausforderungen, wie es Erich Herber von der Donau-Universität Krems in seinem Artikel „Augmented Reality – Auseinandersetzung mit realen Lernwelten“ beschreibt. Demnach sind neben den Anforderungen an die Konzeption und Realisierung neuer Bildungskonzepte auch Investitionen in die Ausbildung der Lehrkräfte erforderlich. Es wird also noch seine Zeit brauchen, bis Augmented Reality als selbstverständliches Lehrmedium zur Verfügung steht.

Fazit

Was wir sehen und selbst erleben können, nehmen wir besser wahr und haben mehr Spaß dabei. Ein Magazin oder Buch ist gedruckt und der Inhalt unveränderbar. Da schafft AR Veränderung. Denn Inhalte und Themen können aktualisiert und ergänzt werden und lassen die Papier- und Technikwelt zusammenwachsen. Das digitale Lernen ist also nur eine der vielen Möglichkeiten. Augmented Reality bereichert jedes gedruckte Werk und lässt auch die Augen der Erwachsenen glänzen. Was für Kinder das digitale Lernen ist, bedeutet für die Erwachsenen digitale Aus- und Fortbildung. Der Automobilhersteller BMW geht noch einen Schritt weiter. BMW setzt Augmented Reality in der Form des „Work Based Learning“ in den eigenen Ausbildungsstätten ein. Die Auszubildenden lernen auf interaktive Weise komplexe Systeme zu verstehen und zu reparieren. In diesem Fall nutzen sie für die Visualisierung eine Datenbrille. Lernen macht Spaß? Augmented Reality macht´s möglich.

Macht´s gut bis zum nächsten Post,

Dirk Schart

Weiterführende Links:

Augmented Reality – Auseinandersetzung mit realen Welten
RE´FLEKT makes Augmented Reality work for students

Bildquellen:

PAGE Online
RE´FLEKT GmbH
myToys


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