01.
Jul
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Kategorie: Augmented Reality

Microsoft Hololens: Interview mit Philipp Bauknecht

Medialesson Philipp Bauknecht

Wir erinnern uns: Microsoft überraschte bei der Präsentation von Windows 10 mit der Vorstellung einer Augmented-Reality-Brille: der HoloLens. Während andere die VR-Renaissance vorantreiben, setzt Redmond auf die erweiterte Realität. Wir sprachen mit Philipp Bauknecht, Microsoft-Experte und einer der wenigen Entwickler, die bei der Build-Konferenz den Prototypen der HoloLens testen durften.

DER ERSTE EINDRUCK

WeAreAR: Philipp, im Video der diesjährigen Build-Konferenz hast Du die Vorstellung der HoloLens als „das krasseste, was ich je von Microsoft gesehen habe“ beschrieben. Was war für Dich so außergewöhnlich?

Philipp: Der Eindruck beim ersten Ausprobieren der HoloLens war einfach überwältigend. Die Verschmelzung von realer und virtueller Welt klappte hervorragend, auch durch den 3D-Sound.

WeAreAR: Du hattest die Gelegenheit, die Hololens zu testen. Welche Anwendungen konntest Du sehen?

Philipp: Wir konnten in der 4-stündigen HoloAcademy eine eigene Anwendung mit Hilfe von Unity erstellen und diese dann auf der HoloLens ausprobieren.

Hololens Augmented Reality Scenario

WeAreAR: Wichtig für eine AR-Brille ist natürlich das Tracking – etwa die Erkennung der Umgebung und die Einblendung der AR-Inhalte. Wie hat das funktioniert?

Philipp: Erstaunlich stabil. Ich wollte das System wirklich daraufhin testen und habe die Brille mit beiden Händen festgehalten und den Kopf so schnell wie möglich geschüttelt. Die Hologramme blieben dabei exakt auf ihrer Position in der realen Welt und haben nicht gezuckt.

WeAreAR: Die Hololens-Brille befindet sich noch im Prototypen-Stadium. Im Video beschreibst Du sie als schon viel weiter entwickelt als einen Prototypen. Was sind die Gründe dafür?

Philipp: Die Brille fühlte sich einfach nicht wie ein Prototyp an. Es hat nichts gewackelt und es hingen nirgendwo Kabel heraus. Die Verarbeitung macht einen sehr guten Eindruck.

WeAreAR: Insbesondere den AR-Brillen mangelt es aktuell noch an Ergonomie und optischer Korrektur für Brillenträger. Wie ist das bei der Microsoft-Brille gelöst?

Philipp: Nach meinem Gefühl noch gar nicht. Alle Teilnehmer an der HoloAcademy wurden vorab mit einem separaten Testgerät vermessen, um den Pupillenabstand zu errechnen und die Brillen entsprechend einzustellen.

AUGMENTED REALITY MIT DER HOLOLENS

WeAreAR: Ein wichtiger Punkt für die User Experience ist die Größe des Sichtfelds. Manche Testpersonen haben es als recht klein und eingeschränkt beschrieben. Wie war Dein Eindruck?

Philipp: Das Sichtfeld ist in der Tat nicht vollständig mit Hologrammen bespielbar. Es besteht aber ein relativ großes, rechteckiges Feld, auf dem Hologramme angezeigt werden können. Wenn man sich auf die Ränder konzentriert, erkennt man auch, dass dann dort Hologramme angeschnitten sind, wenn man den Kopf dreht. Wenn man sich aber auf die Inhalte konzentriert und den Kopf mitbewegt, fällt das in der Nutzung nicht auf.

WeAreAR: Die Hersteller experimentieren noch viel mit den Bedienkonzepten. Sprach- und Gestensteuerung, Touchpanels an der Brille oder auch separate Control Units. Wie hast Du die HoloLens bedient?

Philipp: Wir haben zwei Bedienkonzepte ausprobiert: Sprachsteuerung und Steuerung mit Blick. Letztere hatte überraschend gut funktioniert. Man fokussiert mit den Augen einen Punkt im Raum an und erhält dann durch einen Klick, der durch eine Fingergeste ausgeführt wird, die genauen 3D-Koordinaten des Punktes, den man mit den Augen fokussiert hat. Dadurch ließen sich z.B. Hologramme selektieren und an einem anderen Ort wieder platzieren.

Microsoft Hololens

WeAreAR: Du hattest auch die Gelegenheit, mit Unity eine kleine Anwendung für die HoloLens zu entwickeln. Gibt es schon Informationen zu einem eigenen Software Development Kit (SDK)?

Philipp: Das SDK ist natürlich zu erwarten, aber wir haben dazu keine näheren Informationen bekommen.

WeAreAR: Während in der letzten Zeit vor allem die VR-Brillen rund um Oculus Rift und Samsungs Gear VR Aufmerksamkeit bekamen, setzt Microsoft auf eine AR-Variante. Was ist Deiner Einschätzung nach die Entscheidung stärker in den Augmented-Reality-Bereich zu gehen?

Philipp: Der große Reiz liegt hier in der Kombination der virtuellen und der realen Welt. Dabei lassen sich z.B. reale Objekte durch virtuelle Objekte annotieren oder ergänzen. Das ist für eine ganze Reihe professioneller Einsatzbereiche interessant, z.B. in der Architektur, dem Produktdesign und in Reparaturszenarien. So gibt es für AR-Lösungen aus meiner Sicht vielfältigere Einsatzgebiete wie für reine VR-Lösungen.

WeAreAR: Nun sind natürlich alle gespannt, wann die Hololens kommt. Konntest Du auf der Build etwas von Microsoft zu einem möglichen Marktstart hören?

Philipp: Leider nein, aber ich kann es selbst kaum noch erwarten.

WER IST PHILIPP BAUKNECHT?

Philipp Bauknecht ist Gründer der medialesson GmbH und Experte für die Entwicklung von Apps für Windows (Phone), Web, Kinect und PixelSense. Seit 2008 vermittelt Philipp Bauknecht sein Entwicklungs- und User Experience Know-how u.a. als Trainer von Microsoft-Schulungen, als Sprecher auf Fachkongressen und als Lehrbeauftragter an der Hochschule in Pforzheim. Im Jahr 2013 wurde er mit dem Titel Microsoft Most Valuable Professional (MVP) für die Expertise Client App Development und 2014 für die Expertise Windows Platform Development ausgezeichnet.

WEITERFÜHRENDE LINKS

Microsoft HoloLens – Offizielle Seite 

CNET – Minecraft and Hololens multiplayer mode

Bildquellen: Medialesson, Microsoft


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