23.
Okt
Autor:
Kategorie: Allgemein

Push Conference: Die User Experience der Zukunft

Mit dem Fahrrad zu einer internationalen Konferenz – das ist mal was Neues!  Möglich macht es die Push Conference 2014, die am 10. Und 11. Oktober in der alten Kongresshalle in München stattfand. Rund 400 Teilnehmer versammelten sich für zwei Tage Konferenz – vollgepackt mit spannenden und inspirierenden Vorträgen und Gesprächen.  Mittendrin: Mein Kollege Diego Montoya und ich.

Was ist die Push Conference?  Das lässt nicht ganz leicht in Worte fassen. Schauen wir, was die Organisatoren selbst schreiben:

“Push conference is a unique inspiring event for the interactive professional field. It unites the established UX/ UI scene with the potential and skillset of a new generation of creative coders and technologists on two amazing days in Munich”

Dass das Programm allerlei interessante Vorträge versprach und dass die daraus resultierende Vorfreude beim teilnehmenden RE’FLEKT- Team groß war sieht man wohl am besten in unseren grinsenden Gesichtern.

 

 

SIMPLE IST DIE USER EXPERIENCE VON HEUTE

Los ging es gleich zu Beginn mit einem der beeindruckendsten Vorträge der ganzen Konferenz: Toby Sterrett von Simple, einer auf mobile ausgerichteten Bank aus den USA. Sterett zeigte, wie man durch einen konsequenten Fokus auf User Experience (UX) und die Bedürfnisse des Endkunden auch auf einem gesättigten Markt wie dem Bankensektor als Start Up erfolgreich sein kann – auch wenn man eigentlich keine Ahnung von Banken hat und bei Null anfängt. Oder eben gerade deswegen. Ich bin mir sicher, wäre Simple in Deutschland verfügbar, der halbe Saal hätte auf der Stelle ein Bankkonto bei ihm eröffnet. Was übrigens innerhalb von drei Minuten von einem Mobiltelefon aus möglich ist.

 Push Conference Bild1

Doch das war bei weitem nicht der einzige interessante Vortrag. Razan Sadeq von Stylight, einem Online-Portal für Kleidung, berichtete was man als UX Researcher von Sherlock Holmes lernen kann. Der Freelancer Markus Eckert sprach kurzweilig und mit viel Verve über die Kunst der Interpolation und wie maßgefertigte Animationen die Herzen der User höher schlagen lassen. Mike Tucker von der Designschmiede Universal Everything zeigte beeindruckende, interaktive Visualisierungen aus seiner Karriere (z.B. die App Polyfauna für Radiohead) und berichtete vom schmalen Grat zwischen Wirtschaftlichkeit und künstlerischer Entfaltung. Oder um seine Worte zu gebrauchen: wie man Creative Coder sein kann ohne seine Seele zu verkaufen. Um die vielschichtigen Beziehungen zum Kunden – und ihren Parallelen zu Liebesbeziehungen – ging es bei Gregor Hofbauer von der Wiener Agentur Strukt.

YOU, ME AND MY COMPUTER

Eines meiner persönlichen Highlights war Lauren McCarthys Vortrag „You, me and my computer“. Auch hier ging es um Beziehungen, allerdings eher um die der alltäglichen und zwischenmenschlichen Art. Sie stellte dem Publikum anhand provokativer Projekte die Frage, wie Technologie unsere alltäglichen Interaktion miteinander beeinflussen kann und soll. Ferngesteuert durch die Cloud Crowd beim Date oder via Sprachanalyse beim Video Chat erinnert werden nicht immer so viel von sich zu erzählen? Hier geht’s direkt zu Laurens Projekten. Mit feinem Sarkasmus nahm sie die generischen Promo-Videos für Kickstarter und Apps auf die Schippe. Trotz allem Humor stellte sie mit jedem ihrer Projekte doch ernsthaft und aufrichtig die Frage, wie weit wollen wir gehen?

Wie weit wir gehen wollen fragte auch Dan Williams in seiner Sightseeing Tour zu den Absurditäten der modernen Technologiewelt: von Brute Force Design in China und durch Hacker verschwindende Schiffscontainer über Make up, das vor Gesichtserkennungsalgorithmen schützt, hin zu den bombensicheren Mülleimern in der Innenstadt von London. Die können zwar jeden Passanten anhand seines WiFi-Profils tracken, für die Aufnahme von Müll sind sie aber nur begrenzt geeignet. Auf die berechtigte Frage aus dem Publikum: „This is amazing, but who the hell are you, why are you doing all of this“, antwortete Willimas mit britischem Understatement: “Software Developer. Sort Of”. Die meisten seiner Projekte seien nicht wirklich aufwändig, es würde sie nur keiner machen, bemerkte der Entwickler. Dabei sei es wichtig, die Auswirkungen und Konsequenzen immer unsichtbarer werdender Technologie ins Bewusstsein all derer zu bringen, die keine Experten sind. Ein Robin Hood in der Währung des Informationszeitalters?

Push Conference Bild2

Was wäre in diesen Tagen eine Technologiekonferenz ohne die Oculus Rift. Das wissen wir bei RE‘FLEKT natürlich nur zu gut. Den Part des VR-Apostels wurde bei der Push Conference von Josh Carpenter übernommen – und wie er sie übernahm. Nach bester Sillicon Valley-Manier predigte er den Gospel zu Virtual Reality vom Rednerpult und beschwor das uramerikanische Bild eines wilden VR-Westens: voller neuer Möglichkeiten, die entdeckt werden wollen. Carpenter, der bisher UX Lead bei Mozilla war, hat die Leitung eines Teams übernommen, um VR in Mozillas Firefox Browser zu bringen. Exklusiv gewährte er die ersten Einblicke in seine Arbeit, die letztendlich darauf abzielt, die alte Vision vom Internet als echten virtuellen Raum Wirklichkeit werden zu lassen. „It’s wild!“ – indeed Josh.

Die eigentlichen Headliner der Push 2014 waren Ben Fry, der Mitbegründer der Programmiersprache Processing und Gründer von Fathom, sowie drei Herren von Google Ventures mit ihrem Vortrag „Build for Speed“. Ben Fry zeigte, wie man mit Daten Geschichten erzählt – und das ist bei ihm wörtlich zu verstehen. Anstatt wie Bilder für das Storytelling zu nutzen, stehen bei ihm interaktiv erlebbare Daten im Mittelpunkt, die sich durch den Nutzer entdecken lassen.

 

 

Nichts weniger als die Anleitung „How to Prototype and Test Any Product in Five Days“ versprach der Talk von Daniel Burka, Braden Kowitz and John Zeratsky. Doch die drei wissen wovon sie sprechen – regelmäßig werden sie in Start-ups entsandt, in die Google Ventures investiert. Dort absolvieren sie Design Sprints: in einem kleinen Team drei Tage an neuen Ideen arbeiten. Einen Tag lang einen Prototypen bauen und schließlich am letzten Tag Evaluierung durch User Tests betreiben. Durch diese extreme Version von kurzen Iterationszyklen und früher Validierung neuer Ideen mittels Prototypen, können Start-ups ihren Flexibilitäts- und Geschwindigkeitsvorteil voll ausspielen. Auch innovative, aber möglicherweise risikoreiche, neue Wege können so mit wenig Aufwand evaluiert werden.

PUSH CONFERENCE KOMMT AN

Eine Mischung aus Design-Code-Art, ganz zu der aktuellen Technologie-Ära passend, machte die Konferenz sehr vielfältig und interessant. Ich glaube dass diese Mischung die Zukunft der Technik treibt. Für Diego Montoya, unseren Interactive Media Experten bei der RE’FLEKT hat die Push bestätigt, wo die treibenden Kräfte zu finden sind: „Im aktuellen Kontext kommen die Innovationen von den kleinen Agenturen und Firmen, die dynamisch, adaptiv und bereit sind, Risiko zu tragen“. Dem kann ich mich nur anschließen. Die Push trifft definitiv den Nerv der Zeit und es spricht für die Innovationskraft der Tech-Szene in München, die solch eine Konferenz auf die Beine stellt. Auch an der Isar ist sind Themen wie der kreative und spielerische Umgang mit Technologie und UX angekommen, um einen zentralen Platz im Entwicklungsprozess neuer Technologien einzunehmen. An dieser Stelle deshalb auch an großer Dank an das Team der Push Conference – Christian Perstl, Thomas Gläser, Markus Jarity und Philipp Sackl – für ihren Mut und ihr Engagement.

WEITERFÜHRENDE LINKS

Daniel Sproll – The Non-Linearity of Virtual Reality User Experience

Bildquellen: Eigene, Push Conference


  1. das klingt super, leider grad verpasst ! aber ich finde es toll und wichtig, das zukunftsorientierte projekte gefördert werden und aufmerksamkeit bekommen. am düsseldorfer flughafen zeigt sich momentan ein projekt, was getestet wird –
    http://smart-magazine.com/space/go-fetch-the-car-ray/

    nur so kann der erfolg irgendwann kommen und technologien weiterentwickelt werden.
    und den dialog zwischen technikern, designer, entwicklern findet man bestimmt auf solchen messen oder was meint ihr ?

    • Dirk Schart

      Absolut, Sandro. Technologie, Design und Devices wachsen immer stärker zusammen mit dem Ziel unseren Alltag zu erleichtern. Gerade die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sind dabei wichtig.

673