12.
Feb
Autor:
Kategorie: Allgemein

Virtual Reality: Samsung Gear VR im Praxischeck

Das ist spitze! Ein völlig neues Erlebnis. Ich muss jetzt erstmal durchatmen. Normalerweise bin ich in unseren Posts sparsam mit Superlativen. Die Gear VR von Samsung allerdings  – entwickelt von den VR-Experten Oculus – provoziert einfach Emotionen. Ich habe in den vergangenen Wochen so einiges an Brillen auf dem Kopf gehabt. Kein Device hat mich so überrascht wie die Gear VR. Das Chip-Magazin titelt: „Schärfer als die Rift“. Quantas verkündet, dass die Gear auf ausgewählten Flügen zum Einsatz kommt.

Damit Ihr das besser einordnen könnt: die Oculus Rift erlebe ich seit mehr als einem Jahr regelmäßig, sowohl als DK1 wie auch als DK2. Die Entwicklerversion der Samsung Gear VR habe ich mittlerweile auch ausgiebig getestet, bevor nun die Consumer-Version an der Reihe war. Zeiss VR One, Meta One und natürlich die Google Glass sind weitere Kandidaten in unserem Test-Repertoire. Was die Technik betrifft, habe ich mir Unterstützung bei unserem Software-Entwickler Jan Heitger geholt.  

DIE AUSSTATTUNG

Das Gehäuse in schwarz und weiß, die Abdeckung an der Front bläulich transparent. Zur Befestigung auf dem Kopf drei typische Bänder. Befände sich keine Technik drin, könnte es auch eine Skibrille sein. Ähnlich mit Polstern zum Schutz des Gesichts ausgestattet ist auch die Gear. Und das spürt man: deutlich bequemer als andere Brillen. Im Vergleich zur Rift ist sie einfach ein fertiges Produkt. Nicht nur was Passform angeht sondern auch was die Verfügbarkeit betrifft. Für 199 Euro ist die Brille zu haben – natürlich ohne Note 4. Und das Beste: die Gear VR hat keine Kabel, die einen an den Rechner ketten. Während ich durch die Anwendungen fliege und immer wieder darauf achte wie sich die Gear anfühlt, zeigt mein Kollege die Ausdauer eines echten Geeks: Jan gönnt sich einen kompletten Film und hat mittlerweile wohl alle Demos durchgespielt. „Natürlich spürt man die Brille nach einer Stunde, aber es war für mich nicht unangenehm“, bestätigt Jan den guten Tragekomfort.

Jan Heitger mit Samsung Gear VR

An der Vorderseite nimmt man die Abdeckung ab und steckt das Galaxy Note 4 ein: auf der einen Seite kommt das Smartphone in die Micro-USB-Verbindung, auf der anderen Seite wird es durch einen Raster fixiert und kann somit auch ohne Abdeckung nicht mehr herausfallen – wie es noch in der Entwicklerversion war. Auf der rechten Seite befindet sich das Touchpad, das auf Drücken und Wischgesten reagiert. Ein separater „Back-Button“ hilft beim Navigieren in die obersten Menüebenen. Eine Micro SD-Karte mit 16 GB Speicher wird für die Gear-Anwendungen mitgeliefert.

BRILLE AUF UND LOS GEHTS

Und das geht schnell. Sobald das Note 4 in der Gear steckt, wird man aufgefordert die mitgelieferte SD-Karte einzulegen. Die „Oculus-App“ installiert sich automatisch und startet mit einem kleinen Tutorial. Die wichtigsten Steuergesten und schon geht es los: zuerst mit einem Flug über einen fremden Planeten bevor es wieder zurück auf die Erde in ein Zelt in der mongolischen Steppe geht. Ein erster Ausblick auf das, was kommt. Der gemeinsame Tee im mongolischen Zelt zeigt, wo die Reise hingeht. Nimmt man die Gear ab, dann wird der Bildschirm des Note schwarz und das Smartphone geht in den Ruhemodus. Das spart Energie und die wird reichlich benötigt.

IMG_0509

Oben auf der Gear ist übrigens ein kleines Rad angebracht mit dem man die Sehstärke korrigieren kann. Das funktioniert schon recht gut. Während ich mit anderen Brillen meist wie ein Maulwurf agiere, sehe ich in der Gear durch die optische Korrektur richtig gut. Also, es geht doch auch für die Brillenträger. Das wurde Zeit. Im Inneren der Gear befindet sich noch ein Näherungssensor (Proximity Sensor), der registriert, wenn man die Brille aufsetzt.

NOCH PLATZ IM OCULUS STORE

Natürlich gibt es erst eine überschaubare Anzahl an Apps (alle Apps im Überblick). Rund 30 Anwendungen sind im Oculus Store – viele davon sind Spieledemos. Es gibt aber auch schon eine kleine Auswahl an 360 Grad-Videos. In drei Kategorien – Apps, Games und Experiences – findet man die zwischen 50 und 300 MB großen Anwendungen. Wer eine neue App installieren möchte, der kann das direkt von der Gear aus im Oculus Store oder auch vom Smartphone aus. Die aktuell verfügbaren Applikationen sind kostenlos. Jan kennt sie alle. Zu jeder der Anwendungen kann mein Kollege etwas erzählen. „Die guten Apps zeigen schon jetzt, wie sich die Interaktion und Bewegung im virtuellen Raum anfühlt. Das ist eben nicht mehr nur die 2D-Ansicht wie auf dem Fernseher, sondern die komplette Szene“, erklärt Jan die Vorzüge der virtuellen Realität mit einer mobilen Brille. Es gibt aber auch Kritik: schlechte Auflösung, 2D-Filme und Einbußen beim stereoskopischen Eindruck. Hoffentlich nimmt sich Oculus der Qualitätsprüfung im Store an, damit wir nicht mit 3D-Plagiaten überschwemmt werden.

Oculus Store

Samsung hat bereits einen eigenen Store: Milk VR. Leider momentan nur in den USA verfügbar soll der Store der Koreaner künftig eine Auswahl an 360 Grad-Videos unterschiedlichster Locations bieten. Eine gute Idee. Die NBA in den Vereinigten Staaten hat bereits einen Deal mit Samsung: es wird Videos für die Gear von NBA-Spielen geben. Das ist erst der Anfang. Sportereignisse, Konzerte, Events und Dokumentationen – dafür ist die Gear wie geschaffen.

Mein Favorit bei den Apps: Cirque du Soleil. Das ist einfach riesig. Man sitzt auf der Bühne, neben sich die Artisten. Die sitzen da nicht nur einfach sondern sprechen mit mir. Ein Blick nach oben zeigt die Akrobatikkünstler in ihrem Element. Einmal drehen und hinter uns bietet sich ein Blick auf die Zuschauerreihen. Das ist wirklich mittendrin. Wow, das kann ich mir immer wieder gönnen.

Und Jan? Im Herzen ein Gamer, stimmt er für „Rocket Toss“. Eine kleine Demo, die zeigt, wie gut das Zusammenspiel von Steuerung (per Touchpad und Kopfbewegung), Tiefenwahrnehmung und räumlichem Eindruck der Szene schon funktioniert.

GUT GEMACHT, SAMSUNG

„Die Bildqualität der Gear ist besser als beim DK2 der Rift“, sagt Jan Heitger. Und der muss es wissen, war er doch einer der ersten, die in Deutschland mit der Rift experimentiert haben. Zwar fehlt der der Gear das „Positional Tracking“, die Verfolung der Kopfbewegung, dafür ist sie im Vergleich zu ihrer großen Schwester Rift mobil. Samsung hat mit der Kooperation mit Oculus einen strategisch sehr cleveren Zug gemacht. Die Oculus-Entwickler haben einfach einen Vorsprung, der sich in der Praxis im Vergleich zu anderen Brillen, wie z.B. der Zeiss VR One, zeigt. Jeder kann jetzt einfach sein Smartphone nehmen und in die virtuelle Welt eintauchen. Unternehmen statten ihren Sales damit aus und Kunden buchen den nächsten Urlaub mit der Gear. Glückwunsch, Samsung.

WEITERFÜHRENDE LINKS

Chip Online: Schärfer als die Rift

Mobiflip: Quantas und Samsung bringen die Gear VR ins Flugzeug

C’t Magazin: Alle Apps für die Gear VR im Überblick

PC Welt: Datenbrillen – der große Überblick

Bildquellen: Chip Online, Quantas


  1. Hallo!

    Ich benutze die Brille seit vielleicht zwei Wochen und kann die Erfahrungen nur bestätigen. Die Spieledemos (besonders gelungen meiner Meinung nach das recht umfangreiche Actionadventure Herobound) lassen erahnen, was in Zukunft bei Spielen alles möglich sein wird. Das gibt noch ein riesiger Markt, wobei Spiele wohl die Vorreiterrolle übernehmen werden. Neben tollen Spielen freue ich mich besonders auf virtuelle Museeumsführungen oder auf virtuelle Rundreisen in interessanten Gegenden, die ich im ganzen Leben nicht besuchen werde. (Denke da zB an Mount Everest).
    Dicker Minuspunkt: Die Bildqualiät ist nicht überzeugend. Es zeigt sich ein deutlicher Fliegengittereffekt. Trotz der hohen Auflösung des Note4 – für VR ist sie immer noch zu gering. Bei Spielen stört mich das nicht so sehr, wohl aber bei Fotos und Filmen. Bis dieses Problem beseitigt ist, werden wohl leider noch einige Entwicklungsjahre vergehen.

    Da ihr auch Erfahrungen mit anderen VR-Brillen habt, würde mich ein Vergleich sehr interessieren. Vor allem die Zeiss erscheint mir interessant….

    Viele Grüße und weiterhin viel Spaß in anderen Welten!

    Jutta

    • Dirk Schart

      Hallo Jutta,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Hero Bound gehört bei uns auch zu den Favoriten. Klar, die Spiele werden die Grundlage schaffen. Aber bereits jetzt befassen sich viele mit Dokumentationen, Live-Events etc. Ich sehe darin auch eine neue Form des Journalismus. Was die Grafikleistung angeht: wenn man sieht, welchen Rechner man für aufwändige Grafiken bei der Rift braucht, dann ist das nachvollziehbar. Es ist eben ein Mobiltelefon. Dennoch war ich für den ersten Wurf positiv überrascht.

      Zur Zeiss VR One kommt auch noch ein Bericht. So viel vorweg: die hat uns bisher eher enttäuscht. Kaum Anwendungen und die Performance lässt zu wünschen übrig. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das m.E. kein Konkurrent für die Gear VR. Wir arbeiten bereits an einem Paper mit mehreren Brillen. Wenn Du möchtest kannst Du mir Deine E-Mail-Adresse an ds@re-flekt.com schicken, dann halte ich Dich auf dem Laufenden.

      Viele Grüße,
      Dirk

2.018