17.
Dez
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Kategorie: Allgemein

Tops und Flops 2014: Augmented Reality, Virtual Reality, Wearables

Wieder geht ein Jahr vorbei und wir schauen uns an, was 2014 so passiert ist. Viel wurde diskutiert, z.B. welche Entwicklung die Wearable Devices nehmen werden. Insbesondere Google Glass und Oculus Rift waren die Renner in den Medien. Doch was bleibt jetzt? Was lässt sich wirklich nutzen und wo steckt mehr Vision und Phantasie dahinter? Wir haben ein paar Stimmen für Euch eingefangen.

In unserem Jahresrückblick 2013 ging es in der Hautpsache um drei Themen: guter Content für Augmented Reality, die Renaissance der Virtual Reality und wie die Technologie-Konzerne AR und VR pushen. Im Ausblick haben wir die Prognose gewagt, dass sich das Tracking von realen Objekten, insbesondere das sogenannte „Edge-based Tracking“ verbessern wird. Jetzt wird abgerechnet: Was sind die Tops und Flops für 2014? Wir haben Experten aus Deutschland und der Schweiz sowie vom RE’FLEKT-Team befragt.

Unsere AR Experten 

DREI FRAGEN AN STEFAN GÖPPEL

Wir haben uns aus dem RE’FLEKT-Team und außerhalb ein paar Meinungen geholt. Drei Fragen rund um AR, VR und Wearables. Los geht es mit Stefan Göppel, Projektmanager der RE’FLEKT, Online-Experte und immer offen für neue Devices.

WE ARE AR: Stefan, was hat Dich rund um AR, VR und Wearables dieses Jahr am meisten begeistert?

Stefan: Den größten Sprung 2014 machten die VR-Devices (Oculus und Co). Welche Qualität und welche Erlebnisse hiermit geschaffen werden können ist wirklich faszinierend und wegweisend für die Zukunft. Jeder der einmal die Möglichkeit hatte eine gut umgesetzte Anwendung zu erleben, der weiß welche Power hinter dieser Entwicklung steckt.

WE ARE AR: Was hat Dich am meisten enttäuscht bzw. wo hast Du mehr erwartet?

Stefan: Google Glass wurde mit einem großen Trommelwirbel angekündigt und hat leider noch nicht die benötigte Produktreife, um diesem gerecht zu werden. Es bleibt spannend, ob und wie sich dieses Wearable durchsetzt und wieviel AR letztendlich auf diesem Device sinnvoll umgesetzt wird. In Bezug auf AR sehe ich hier andere Devices als sinnvoller an.

WE ARE AR: Welche Entwicklung bzw. welche Technologie siehst Du für 2015 mit großem Potenzial?

Stefan: Fabrikverbaute RGB-D Kameras (das D steht für depth) in mobilen Devices und VR-Devices stehen vor dem großen Durchbruch 2015. Zum Glück wissen wir, welche Möglichkeiten uns diese zwei wirklich riesigen Entwicklungen im Bereich AR und VR bereit stellen. Aus diesem Grund freue ich mich wirklich auf ein weiteres revolutionäres Jahr 2015!!!

DIE WELT WIRD WEARABLE

Über Tim Kessler kann man sagen: er ist Google Glass-Experte. Schon früh organisierte er sich mehrere Exemplare der Google-Brille aus den USA. Mittlerweile berät er Unternehmen und schreibt eine Dissertation über die Kommunikation mit Google Glass. Wir haben bereits über die Glass berichtet und beobachten die Entwicklung. Dafür gibt es drei Fragen zur Glass an Tim Kessler von Sensable.

WE ARE AR: Tim, wie siehst Du die Entwicklung der Google Glass im Jahr 2014 nach all den Berichten und Kritiken?

Tim: Google Glass ist noch nicht da angekommen, wo sie sein sollte. Dennoch hat sie für viele User einen Nutzen, der sich nicht zwingend im kompletten Alltag, sondern in spezifischen Situationen manifestiert, wie z.B. bei der Navigation auf dem Fahrrad. 

Wir erleben hier gerade den Anfang der nächsten technischen Revolution. Ich denke der Fehler ist es, von einem ersten Prototypen Wunder zu erwarten. Vielmehr geht es um einen Ausblick in eine (noch) ferne Zukunft. Und da müssen nicht nur die Hersteller, sondern auch die Gesetzgeber gemeinsam Lösungen entwickeln, um vernünftige Privatsphärenkontrollen einzuführen und der Gesellschaft die Angst vor solchen Geräten zu nehmen.

WE ARE AR: Wohin geht die Reise 2015?

Tim: Google wird höchstwahrscheinlich einen neue Version der Brille vorstellen. Bleibt zu hoffen, dass die bestehenden Probleme wie Batterielaufzeit, das Überhitzen, sowie das Design deutlich überarbeitet werden. Andere Hersteller sind fleissig dabei, an Lösungen zu arbeiten. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass Start-Ups die Grossen überholen. 

WE ARE AR: Wo siehst Du außerhalb der Glass großes Potenzial für 2015?

Tim: Meine grösste Hoffnung liegt in dem Produkt von Compoyst Light Labs. Das Design sieht toll aus. Bleibt abzuwarten, ob auch die zugehörige Software diesen Standard erreicht. 

Composyt

MEHR EXPERIENCE STATT TECHNIK

Nathaly Tschanz ist Content Managerin bei Scout24 in der Schweiz. Sie kennt beide Welten: die erweiterte Realität und die Content-Welt. Ihr Fokus liegt auf der Verbindung von Augmented Reality mit relevanten Inhalten.

WE ARE AR: Nathaly, was hat Dich rund um AR, VR und Wearables dieses Jahr am meisten begeistert?

Nathaly: Was AR betrifft, bin ich sehr erleichtert, dass wir uns immer mehr wegbewegen von «Gimmick»-Anwendungen – insbesondere im Marketing-, Medien- und Kommunikationsbereich.  Die Technologie wird nicht mehr bloß als Spielzeug wahrgenommen sondern als Arbeitswerkzeug. AR ist ein Visualisierungsmedium mit enormem Potenzial. Glücklicherweise realisieren das auch mehr und mehr Unternehmen und nutzen das Tool für Anwendungen, die den Zielgruppen einen signifikanten Nutzen bringen.

WE ARE AR: Was hat Dich am meisten enttäuscht bzw. wo hast Du mehr erwartet?

Nathaly: Ein Umdenken bezüglich «Experience Design» findet leider erst sehr zögerlich statt. Woran es momentan mangelt ist eine stärkere Verzahnung zwischen Technik und Geisteswissenschaften. Aus der technologischen Perspektive gesehen sind wir schon sehr weit fortgeschritten.  Wo es noch hapert ist eine vermehrte Miteinbeziehung von Künstlern, Designern und Storytellern. Jedem ist klar, dass es ohne Techniker (Programmierer, Ingenieure etc. ) nicht geht. Aber ohne ergänzende Expertise eben auch nicht.

WE ARE AR: Welche Entwicklung bzw. welche Technologie siehst Du für 2015 mit großem Potenzial?

Nathaly: Persönlich bin ich sehr gespannt, wie sich der ganze Bereich «Brillen» – ob für VR oder AR –weiterentwickelt. Meiner Meinung nach hat Oculus Rift das Potenzial, den VR-Markt umzugraben. Die wird ja voraussichtlich 2015 erscheinen.  Spannend ist auch der Ansatz der Gestensteuerung bei der MetaOne. Ob die aber schon 2015 marktreif ist, bezweifle ich. Und jetzt ist ja Google mit der Investition in Magic Leap auch noch auf den Zug aufgesprungen.  Ich freu mich also  jetzt schon darauf, dieses «Wettrüsten» mitzuverfolgen.

CAPTAIN SPROLL UND DIE RIFT

Unser VR-Enthusiast Daniel Sproll hat sich 2014 intensiv mit Virtual Reality befasst: mit den Brillen aber vor allem mit neuen Bedienphilosophien und User Interfaces. Als UX Researcher war er direkt bei Oculus auf der Connect-Konferenz.

WE ARE AR: Daniel, was hat Dich rund um AR, VR und Wearables dieses Jahr am meisten begeistert?

Daniel: Die Crescent Bay war der Wahnsinn, sprichwörtlich ein Blick in die Zukunft. 

WE ARE AR: Welche Entwicklung bzw. welche Technologie siehst Du für 2015 mit großem Potenzial?

Daniel: Erstmal die offensichtlichen Kandidaten: Samsung Gear VR und Oculus CV1 (evtl. Sony Morpehus) werden VR massenmarkttauglich machen. Das wird ein Hammer. Ich vermute, dass wir eine Flut an deutlich besserem Content sehen werden – sowohl grafisch als auch UX-seitig – da die Community reift und sich von Enthusiasten hin zu Professionellen entwickelt und damit beginnt, das Medium besser zu verstehen

Meiner Meinung nach fast noch spannender werden die Input Devices  und Interfaces. Da steht viel in den Startlöchern: STEM Tracking um beliebige Objekte in VR zu bringen, Nimble VR (Anm. d. Red.: laut Medienberichten wird Nimble von Oculus gekauft) verspricht akkurates Handtracking. Und dann natürlich noch die Gerüchte über einen Controller von Oculus selbst. Darüber hinaus ging mit Otoy gerade ein sehr sehr ambitionierter Service an den Start, der quasi unlimitierte Grafikpower via Cloudrendering verspricht. Wenn die die Hälfte, von dem was die sich vorgenommenhaben, erreichen, dann wird das der Wahnsinn: Stichwort High-End Grafik aus Unreal 4 und Co. in Echtzeit aufs Handy.

WE ARE AR: Was hat Dich am meisten enttäuscht bzw. wo hast Du mehr erwartet?

Daniel: Die Myo – das Developer Kit ist bis heute nicht da. Es gibt kaum Kommunikation und von Leuten, die im vorgezogenen Dev-Kit Programm waren hab ich ziemlich unzufriedene Berichte gehört. Bin gespannt, ob da 2015 noch was geht und ob sie die lange Verzögerung gut genutzt haben. Aber momentan sieht es ziemlich düster aus.

WOLFGANG STELZLE WILL KANTEN

Jetzt wird es technischer: RE’FLEKT-CEO Wolfgang Stelzle zieht Bilanz für 2014, was die Entwicklung angeht.

WE ARE AR: Wolfgang, was hat Dich rund um AR, VR und Wearables dieses Jahr am meisten begeistert?

Wolfgang: Die Weiterentwicklung rund um kanten-basiertes Tracking. Das funktioniert mittlerweile sehr gut und lässt sich in Industrie-Anwendungen nutzen. Außerdem die Standardisierung der Content Produktion. Mit unserer CAP-Plattform treiben wir dieses Thema ja auch mächtig voran. Und natürlich alles rund um die Oculus Rift. Bei VR sind die Fortschritte aktuell um einiges schneller als bei den AR-Brillen.

WE ARE AR: Was hat Dich am meisten enttäuscht bzw. wo hast Du mehr erwartet?

Wolfgang: Wie schon erwähnt – bei den AR-Goggles. Die sind einfach noch nicht praxistauglich für eine permanente Anwendung. Auch wenn wir mit Brillen wie der Epson Moverio schon gute Ansätze sehen. Hier hätte ich mir viel mehr technologische Entwicklung erwartet. Vor allem was den Einsatz in der Industrie angeht.

WE ARE AR: Welche Entwicklung bzw. welche Technologie siehst Du für 2015 mit großem Potenzial?

Wolfgang: Für AR geht es weiterhin um die Standardisierung der Content-Produktion. Das ist die Basis, um AR kostengünstig in die Unternehmen zu bringen. Bei VR erwarte ich jetzt den Launch der Brillen, vor allem natürlich der Rift. Damit die Menschen das Potenzial begreifen, müssen die VR-Brillen verfügbar sein.

DIE ABRECHNUNG: AUGMENTED, VIRTUAL, WEARABLE

Die Renaissance der VR scheint Realität zu werden: Oculus gibt den Takt vor und der hat ordentlich Beats. Bringen die Kalifornier tatsächlich nächstes Jahr die Rift auf den Markt, dann scheint der Erfolg garantiert. Nicht nur für Oculus, sondern unserer Meinung nach für einen ganzen Markt. Egal ob AR- oder VR-Brillen: Datenbrillen werden von dieser Entwicklung profitieren. Schaut man sich allein an, dass Google bereits mehr als 500.000 Exemplare ihrer VR-Pappe Cardboard abgesetzt haben, dann verwundert es nicht, dass mehr und mehr Hersteller Brillen entwickeln. Samsung, Sony, Zeiss sind nur einige Firmen. Bei Apple wartet man gespannt, was in Cupertino passiert.

Die Google Glass als Flop zu bezeichnen wäre ungerecht. Die erste Generation hat bereits jetzt den Markt für Datenbrillen verändert und die notwendige Aufmerksamkeit ist die Basis für andere Produzenten. Kommt die nächste Generation mit leistungsfähigem und energiesparendem Prozessor, wie von Intel angekündigt, dann geht die Reise weiter.

Googles Project Tango wird dem AR-Markt völlig neue Möglichkeiten bieten. Genauso wie die Kombination aus Augmented Reality und Beacons gerade erst entdeckt wird. Augmented Reality selbst hat den Sprung bereits geschafft und muss nun produktiver entwickelt werden können. Die Tracking-Unternehmen haben 2014 einen ordentlichen Schritt nach vorne gemacht. Ob Vuforia oder Metaio: das Tracking von physischen Objekten ist deutlich verbessert worden und nun „im Feld“ einsetzbar. Das eingangs beschriebene Edge-Based-Tracking, das wir für 2014 als praktikabel eingestuft haben, hat sich in die richtige Richtung entwickelt. Gut für Oculus, schade für AR: Die Tracking-Schmiede 13th Lab wird ebenso von Oculus gekauft wie NimbleVR.

Auf 2015 können wir uns freuen: Neue Devices, verbesserte Sensoren und leistungsfähige Software stimmen uns sehr positiv.

Bildquellen: Composyt, ScreenMediaDaily


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