20.
Aug
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Kategorie: Augmented Reality

RE’FLEKT Labs: Was ist Augmented Reality aus Expertensicht?

Was Augmented Reality (AR) ist, wird in der wissenschaftlichen Forschung bisher meist aus technologischer Sicht bzw. aus dem Blickwinkel der Informatik erklärt. Dies liegt in der Natur der Sache, weil der Ursprung von AR im industriellen Umfeld liegt. Mittlerweile kommt Augmented Reality in immer mehr Gebieten zum Einsatz, wodurch sich auch die Wissenschaft in anderen Bereichen mit dem Thema befasst. Alleine schon die Schnittstellen, die AR zu Medien und Einsatzfeldern schafft, bieten ausreichend Ansätze zu wissenschaftlicher Forschung.

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Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive und der Erfahrung aus meiner eigenen Forschungsarbeit beleuchte ich die Diskussion zu AR-Definitionen. Ganz bewusst werde ich die Wissenschaft der Praxis gegenüberstellen und viel Raum zur Diskussion lassen. Das ist ein Aufruf: Diskutiert mit und teilt Eure Vorstellungen und Erfahrungen zu Augmented Reality und angrenzenden Technologien.

Was ist Augmented Reality aus der Sicht von Experten?

Die bislang am häufigsten zitierte Definition von Augmented Reality stammt von Azuma:

„AR is about augmenting the real world environment with virtual information by improving people’s senses and skills. AR mixes virtual characters with the actual world.“ (Azuma 1997: 355)

Azuma definiert AR als die Erweiterung der Realität mit virtuellen Objekten. Charakterisiert ist diese Definition vom dreidimensionalen Bezug virtueller und realer Objekte sowie der Interaktion in Echtzeit. Die Definition stammt aus dem Jahr 1997 und spiegelt den Stand der Anwendung von AR aus dieser Zeit wider.

In der Zwischenzeit setzen Unternehmen AR neben der Industrie auch in PR und Marketing ein und nutzen die interaktive Visualisierung im Vertrieb. Während gerade in der Industrie vielfach 3D-Modelle als Erweiterung dienen, bietet AR in Marketing und Kommunikation eine breite Palette an digitalen Inhalten zur Erweiterung bestehender Medien an. Hierzu zählen Bewegtbild, zusätzliche Live-Einblendungen und die Kombination verschiedener digitaler Inhalte. Wenn wir uns die Definition von Azuma noch mal anschauen, dann würde z.B. Video nicht unter die Kategorie „virtuelle Objekte“ fallen. Und genau hier setzt die Diskussion an.

Mehler-Bicher et al. (2011: 11f.) nehmen eine Einteilung in AR im engeren und im weiteren Sinne vor. Demnach definieren sie die Erweiterung mit virtuellen Objekten im Sinne von Azuma als „im engeren Sinne“. Zweidimensionale Einblendungen, wie Textinfos, und alle weiteren Verknüpfungen mit digitalem Content zählen sie zu einer erweiterten Definition.

AR-Definition aus heutiger Mediensicht

Muss die technologisch geprägte Definition derart eingegrenzt bleiben? Technisch-geprägte Menschen tendieren dazu. In Rahmen meiner wissenschaftlichen Arbeit zu AR habe ich eine kleine Forschungsarbeit durchgeführt, die auch den Bereich „Definitionen von AR“ enthielt. Dazu habe ich 15 Experten mit Erfahrung in Augmented Reality und Kenntnissen in den Themenfeldern Medien, Kommunikation und Produktentwicklung befragt.

Das Ergebnis: Der überwiegende Teil der befragten Experten versteht jegliche Verknüpfung mit digitalem Content als Augmented Reality; selbst der QR-Code wird teilweise darunter subsumiert. Lediglich die technologisch geprägten Befragten grenzen das Spektrum von Augmented Reality stärker ab. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass je stärker eine Person aus der Informatik und Technologie kommt, desto eingegrenzter wird auf die virtuellen Objekte verwiesen. Umso mehr Menschen aus Kommunikation, Marketing und Medien gefragt werden, desto offener wird die Definition im Zusammenhang mit den erweiterten Inhalten.

Experten-Zitate

Stellvertertretend für die Aussagen der Experten drei Zitate zur Definition von AR. Da die Forschungsarbeit im Moment noch gesperrt ist kann ich die Namen der Experten nicht nennen.

„AR bedeutet Medienkonvergenz zu erzeugen, indem eine klassische Kommunikationsmöglichkeit mit etwas völlig Neuem verbunden wird.“

Neben der inhaltichen Definition bezüglich der Erweiterung verweisen die Experten auch auf eine zentrale Funktion von Augmented Reality. AR verbindet Elemente und stellt damit eine Schnittstelle dar.

„Augmented Reality ist die Schnittstelle zwischen der realen Welt und der digitalen Welt“

Neben der Nutzung als Interface verweist ein weiterer Experte auf zwei zentrale Begriffe: Interaktion und Daten (Thema Big Data).

„AR hat die Funktion, dass es Content auf verschiedenen Ebenen zu einer Interaktion verbindet und Daten aus den Tiefen der Unternehmen bringt.“

Die Ergebnisse der empirischen Befragung haben mich dazu bewegt eine eigene Definition zu Augmented Reality aufzustellen, die insbesondere der heutigen Anwendung von AR gerecht werden soll.

„Augmented Reality ist die Schnittstelle zur Erweiterung der Realität sowie bestehender Medien mit virtuellen Objekten, digitalen Inhalten und ortsbezogenen Informationen, mit dem Ziel, Interaktion zu schaffen, die Informationsaufnahme zu erleichtern und aktive Wahrnehmung bei gesteigerter Verweildauer zu fördern.“ (Schart 2013: 80)

Ich stelle sogar bewusst die Frage, ob in der Zukunft der Begriff „Augmented Reality“ in den Hintergrund treten wird und über die Funktionen definiert wird. Beispielsweise als Visualisierungstool, Medien-Interface oder Interaktions-App. Insbesondere weil künftig verschiedene Technologien wie AR, VR und Gestensteuerung verknüpft werden und somit aus der Bedienung heraus eine Erklärung stattfinden kann.

Augmented Reality, Virtual Reality, Mixed Reality

Es gibt verschiedene Realitäten: Die erweiterte, die virtuelle und die Mischung aus beidem. Je nach Stadium ändern sich die Möglichkeiten und auch die genutzten Bediengeräte. Während bei AR meist Smart Devices wie iOS- oder Android-Geräte zum Einsatz kommen, nutzt Virtual Reality Head-Mounted-Displays (HDM). Das Kontinuum von Milgram stellt die verschiedenen Bereich dar.

Kontinuum_Milgram

Abbildung: Realitäts-Virtualitäts-Kontinuum
Quelle: Milgram et al. (1994)

Die Erweiterungen mit AR in der Praxis

Augmented Reality erweitert also die reale Umgebung mit zusätzlichen Inhalten und Informationen. Wie das aussieht wird gleich deutlich. Ein kurzer Überblick soll die bestehenden Möglichkeiten zur Erweiterung verdeutlichen:

  • Einblendung von 3D-Objekten
  • Interaktion mit den eingeblendeten 3D-Objekten
  • Einblendung von zusätzlichen Informationen in Form von Text, Bildern oder Grafiken
  • Einblendung von In-Page-Videos
  • Einblendung von Buttons und Bedienfeldern
  • Verlinkung der Buttons/Bedienfelder zu Inhalten im Web, Intranet, Videoplattformen
  • Einblendung von Zusatzinformationen aufgrund des Standorts (Location-based Services)

Die Abbildung zeigt die Einblendung eines 3D-Objekts, das mit zusätzlichen Texterklärungen ausgestattet ist. Wer sich jetzt fragt, wo das Objekt herkommt, dem sei gesagt, dass eine genaue Erklärung zu Themen wie Markern, Tracking sowie den Bestandteilen von AR-Systemen im Folgepost der Serie RE’FLEKT Labs kommt.

RE´FLEKT AR in Printmedium

Weitere Themen bei RE’FLEKT Labs

In den nächsten Folgen werden wir uns die Anwendungsmöglichkeiten und Einsatzfelder genauer anschauen und Beispiele für die oben genannten Erweiterungen zeigen. Auch aus technologischer Sicht blicken wir auf Marker, Tracking und Steuerung von AR-Anwendungen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse meiner Forschungsarbeit fliessen in einen Beitrag zu Mehrwerten und Nutzen von AR ein. Wir befassen uns auch mit Grenzen und Hürden von Augmented Reality. Und oben drauf gibt es Informationen, was beim Einsatz und in der Umsetzung beachtet werden sollte und wie wichtig Erklärung und Usability sind.

Natürlich sind wir offen für Anregungen zu Themen oder Fragen. Einfach den Artikel kommentieren oder mir eine E-Mail schreiben an ds@re-flekt.com.

Weiterführende Links
Azuma, Ronald: A Survey of Augmented Reality
Milgram, Paul: Augmented Reality. A class of Displays on the Reality-Virtuality Continuum
Mehler-Bicher, Anett/Reiß, Michael/Steiger, Lothar: Augmented Reality. Theorie und Praxis
Augmented Reality visualisiert Diagnose – Beispiel für 3D-Einblendung in Echtzeit

Bildquellen
Huffington Post Blog: Become Iron Man Ahead of Iron Man 3 Movie Launch
Eigene Bilder


  1. Hallo Dirk,
    ich finde deine eigene Definition sehr gelungen. Jedoch ist sie (für Laien) auch wieder zu „groß“ und versucht das komplexe Thema zu erschlagen, bzw. unter einen Hut zu bringen. Irgendwie ist das nicht so einfach 😉
    Ich bin schon zufrieden, wenn AR als die „erweiterte Definition“ (Mehler-Bicher) verstanden wird und nicht jeder QR Code als AR gehandelt wird. Denn hier sehen wir ja das Problem: Jeder nutzt den Begriff, sobald er es für richtig hält, um das Buzzword AR genannt zu haben.

    Deine Frage, „ob in der Zukunft der Begriff “Augmented Reality” in den Hintergrund treten wird und über die Funktionen definiert wird“, geht absolut in die richtige Richtung. Mit den weiteren Technologien wird ein Mix entstehen, der noch schwerer zu definieren sein wird.

    Wieder mal ein toller Post, weiter so!
    Beste Grüße,
    Rainer

    • Dirk Schart

      Hallo Rainer,
      da die Definition aus der wissenschaftlichen Perspektive heraus entstand, ist sie entsprechend ausführlich und dadurch „groß“.
      Im Moment wird AR oftmals auch als Begriff verwendet, einfach um zu zeigen, dass innovative Technologien und Medien eingesetzt werden.
      Da ist es dann oft, wie von Dir erwähnt der QR-Code. Und dann gehen die Diskussionen los, ob Glass jetzt AR ist oder nicht. Ich befasse
      mich in der Diskussion lieber damit, wie AR und angrenzende Technologien vernünftig und ohne Hype eingesetzt werden können. Dabei stehen
      Mehrwert, Nutzen und Usability im Vordergrund.

      Das ist aber auch Aufgabe der AR-Producer, die das Thema vernünftig umsetzen müssen statt schlecht bedienbare Gimmicks zu produzieren.

      Für mich wird „Visualisierung“ in Kombination mit anderen Begriffen und Technologien weiter an Bedeutung gewinnen, unabhängig vom Namen.

      Danke Dir für die Blumen!

      Viele Grüße
      Dirk

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