06.
Jun
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Kategorie: Allgemein

Augmented World Expo 2014

„Make the world more interactive“ lautete das Motto der diesjährigen Augmented World Expo (AWE) im US-amerikanischen Santa Clara. Vor einem Jahr haben wir über Gestensteuerung und die Meta Spaceglasses als Trends berichtet. Was ist daraus geworden und welche Trends sehen wir nach der Messe? Unsere Software-Entwicklerin Daniela Weber hat sich vor Ort für WE ARE AR umgesehen.

AUGMENTED REALITY IM ZEITALTER DES KONTEXTS

Eines vorweg: die Entwicklung von Augmented Reality hin zu Lösungen für Unternehmen war auch auf der AWE erkennbar, wie schon im vergangenen Jahr auf der InsideAR in München. Schließt sich jetzt der Kreislauf? Schließlich kommt AR aus der Industrie. Die Industrie sorgt definitiv für ein Erwachsenwerden und liefert damit wertvolle Erkenntnisse für den Einsatz in Marketing, PR und Sales. Interessant dazu die Ansicht von Robert Scoble, der in seiner Keynote vom „Age of Context“ sprach.

 

DIE TRENDS UNSERER TECHNOLOGIE-EXPERTIN

Daniela Weber ist Software Engineer und entwickelt bei RE’FLEKT Augmented-Reality-Anwendungen. Für WE ARE AR hat sie sich auf der Augmented World Expo umgeschaut und verschiedene Devices und Anwendungen getestet. Hier sind ihre Highlights.

1. Augmented Reality für Glasses

„Auf der AWE gab es eine immense Auswahl an Anbietern von Head-mounted Displays“, zeigt sich Daniela zunächst überrascht. Die Hersteller verfolgen unterschiedliche Ansätze. Einerseits gibt es die Brillen wie die Google Glass, die ein kleines Sichtfeld haben, dafür aber auch alltagstauglich sind. Eine weitere See-through-Variante ist die Espon Moverio BT 200. Daniela hat sie ausprobiert, kam aber mit der Blickrichtung nicht zurecht: „Man muss sich stark auf den Bildschirm konzentrieren und bekommt seine Umgebung nicht mehr mit, obwohl es eine See-through-Brille ist“. Das Ergebnis war schon nach kurzer Zeit die von VR-Brillen bekannte Motion Sickness.

Begeistert war Daniela von den Meta Spaceglasses. Wir hatten schon häufiger über die Entwicklung berichtet und dabei auch auf die starken Unterschiede zwischen den Möglichkeiten im Produktvideo und den tatsächlichen Funktionen hingewiesen. Die Spaceglasses sind leicht abgedunkelt, ähnlich wie eine Sonnebrille. Die Brille ist größer und erscheint auf den ersten Blick wie eine VR-Brille. „Was mich besonders fasziniert hat, ist die Gestensteuerung. Sehr natürlich und intuitiv. Die Inhalte werden auf beiden Gläsern angezeigt und somit ist wesentlich mehr erkennbar als auf kleineren HMDs“.

2. Gestensteuerung

„Der Trend geht klar zu interaktiven Systemen. Ob bei den HMDs, bei Augmented Reality oder Digital Signage“, zeigt sich Daniela angetan von den Möglichkeiten, Interaktionen mit natürlichen Gesten auszulösen. Microsoft hat auf der AWE sein Ripple vorgestellt. Damit kann die Kinect 2 in Kombination mit Projektoren eingesetzt werden, womit ein neues Interaktionsfeld für den Benutzer entsteht. Microsoft demonstriert das mit einer Projektion auf den Boden, bei der sich farbige Felder mit den Füßen auswählen lassen.

Daniela hat daneben auch Konzepte getestet, die mit der Leap Motion arbeiten. „Bei der Leap muss man sehr spezifische Gesten lernen, um Anwendungen zu steuern. Das ist für mich im Gegensatz zur Kinect eine Hürde“, beschreibt Daniela ihre Eindrücke. Die Gestensteuerung ist für sehr viele Menschen etwas komplett Neues, an das sie sich zuerst gewöhnen müssen. Dazu ist es sicherlich hilfreich, wenn Gesten genutzt werden, die wir aus dem Alltag kennen.

Metaio plant für die Zukunft, Interaktionen auf jedem Medium zu ermöglichen. Thermal Touch nutzt eine spezielle Kamera, mit der bei Berührung entstehende Wärme erkannt wird und in eine Interaktion auslöst. So könnten in der Zukunft beispielsweise Architekturmodelle oder auch Printmedien interaktiv zum Leben erweckt werden.

3. Einfache und automatisierte Erstellung von AR-Content

Die individuelle Programmierung von Augmented-Reality-Applikation ist insbesondere in der Industrie, wo automatisierte Prozesse an der Tagesordnung sind, ein Hindernis für die Entwicklung.  Daniela hat sich umgeschaut, wie es mit Software zur Content-Erstellung aussieht. „Die AWE hat gezeigt, dass die standardisierte und schnelle Content-Aufbereitung ein sehr wichtiges Thema ist und stärker in den Fokus rückt“. Der Einzug von Industrie 4.0 und die Entwicklung zur digitalen Fabrik verlangen auch von AR eine effiziente und günstige Gestaltung von Content.

Während Metaio seit einigen Jahren mit ihrem Creator eine Lösung für den Consumer-Bereich anbietet, entwickeln Firmen wie Ngrain oder Merlin Lösungen für den Businessbereich. Gemeinsam mit Bosch haben wir auf der AWE bereits Einblicke in die Entwicklung unserer CAP-Plattform für Automotive und Industrie gegeben. Damit wird eine weitegehend automatisierte Produktion von AR-Inhalten ermöglicht.

4. Real-Time Scanning

In unserem Beitrag zu den Top-Trends vor der Augmented World Expo war auch über Real-time-Scanning zu lesen. Diesen Trend hat Daniela bestätigt: „Neben der Integration von Face Tracking in bestehende Software Development Kits ist es vor allem die Erkennung der realen Umgebung, an der entwickelt wird. Der Benutzer scannt seine Umgebung und erhält eine 3D-Map“. Seit die Objekterkennung und das 3D-Tracking Einzug hielten, wird eifrig an Möglichkeiten gearbeitet, diese Technologien zu verbessern, stabil zu halten und auch zu erweitern. 

„Viele kleine Firmen arbeiten an Lösungen, das war bereits im letzten Jahr zu erkennen“, schildert Daniela ihre Eindrücke zur Tracking-Technologie. „Die bekannten Anbieter wie Metaio und Vuforia arbeiten an Verbesserungen ihrer SDKs. Gleichzeitig gibt es eben Impulse von kleineren, wie z.B. von AR Media“. Das Real-time-Scanning bekommt Auftrieb durch Projekte wie Googles Tango oder den Structure Sensor von Occipital.

Und zum Abschluß, Daniela, die Frage was Du von der AWE mitgenommen hast: „Man muss auf alle Fälle dort gewesen sein. So viele neue Sachen und die wichtigen Anbieter sind da. Ich hatte die Möglichkeit viele Produkte zu testen und direkt mit den Entwicklern zu sprechen“.

Nicht unterschlagen wollen wir die Auggies – die Awards auf der AWE. In zehn unterschiedlichen Kategorien gab es Preise für besondere Arbeiten.

 

WEITERFÜHRENDE LINKS

Augmented World Expo 2014 – Offizielle Seite

WE ARE AR verichtet: Augmented World Expo 2013

Top 5 Trends für Augmented Reality

Microsoft Ripple

The Verge: The iPad-mounted structure sensor

Bildquellen: Kickstarter


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